1000 Fragen an mich selbst #7 und #8

Draußen lässt die Sonne noch ein zartes Licht über den Dächern erahnen. Noch lange wird es im Hof nicht ruhig. Kinder spielen verstecken. Lachen. Kreischen. Weinen. Auf einem Balkon quetscht sich gesellig eine Großfamilie zusammen und lacht. Eine Mutter trägt ihr Baby im Arm auf und ab, sanftes Wiegen in den Schlaf. Am Himmel ziehen Flugzeuge ihre koordinierten Striche hinter sich her und malen menschliches Gerade in das natürliche Weich der Wolken. Ein weiterer Tag geht zu Ende. Lässt Gedanken zurück, Erwartungen fallen, schöpft eine Kelle Hoffnung für das neue Morgen. 

Und weil vom Krankenbett nicht sehr viel mehr möglich ist und die Worte nur langsam aus meinem erschöpften Körper kommen, beantworte ich heute mal wieder ein paar der 1000 Fragen an mich selbst.

121. Gibst du der Arbeit manchmal Vorrang vor der Liebe? Momentan besteht meine einzige Arbeit darin mich um meine Kinder zu kümmern, und das ist mit sehr viel Liebe verbunden.

122. Wofür bist du deinen Eltern dankbar? Dass sie mich nie eingeschränkt haben, mich gehen lassen haben, auch als ich selbst nicht wusste, wohin mich das führt. 

123. Sagst du immer, was du denkst? Ich wünschte ich würde es öfter tun. Ich glaube nicht, dass man es immer tun sollte, das kann auch verletzen oder unpassend sein. Aber ich sage viel zu selten, was ich denke. Leider. 

124. Läuft dein Fernsehgerät häufig, obwohl du gar nicht schaust? Ich habe kein Fernsehgerät.

125. Welchen Schmerz hast du nicht überwunden? Den Verlust meines Bruders. 

126. Was kaufst du für deine letzten 10 Euro? Eine Flasche Wein. Schokolade.

127. Verliebst du dich schnell? Ja sehr.

128. Woran denkst du, bevor du einschläfst? Ich träume. Erträume mir Situationen oder Begegnungen, wünsche und gebe mich sanft der Müdigkeit hin.

129. Welcher Tag der Woche ist dein Lieblingstag? Freitag. Wochenendgefühl. Zwei freie Tage vor mir. Freitagabend bin ich oft am seligsten. Das war schon immer so.

130. Was würdest du als deinen größten Erfolg bezeichnen? Dass ich letztendlich doch immer meinem Herzen folge.

131. Mit welcher berühmten Person würdest du gern mal einen Tag verbringen? Oh nein mit keiner. Sowas würde ich überhaupt nicht mögen. Ich wüsste da gar nicht, was ich sagen soll und würde mich furchtbar unwohl fühlen.

132. Warst du schon mal in eine (unerreichbare) berühmte Person verliebt? Nein.

133. Was ist dein Traumberuf? Schriftstellerin.

134. Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten? Nein, überhaupt nicht.

135. Was kannst du nicht wegwerfen? Ich weiß nicht, ob es da was gibt.

136. Welche Seiten im Internet besuchst du täglich? Facebook, Instagram.

137. Sind die besten Dinge im Leben gratis? Ich glaube schon, ja. Ja doch.

138. Hast du schonmal etwas gestohlen? Ja. und ich wurde auch mal erwischt. (Ich war jung…)

139. Was kochst du, wenn du Gäste hast? Das kommt auf die Gäste an. Gern Fleischiges.

140. In welchem Laden möchtest du am liebsten mal eine Minute lang gratis einkaufen? Buchladen

#8

141. In welche Länder möchtest du noch reisen? Japan, Norwegen und unbedingt nochmal Island

142. Welche übernatürliche Kraft hättest du gerne? Mit Toten reden können. Durch die Zeiten reisen.

 

143. Wann wärst du am liebsten im Erdboden versunken? Oh nein, das schreib ich hier sicher nicht rein.

144. Welches Lied macht dir immer gute Laune? “Við spilum endalaust” von Sigur Ros.

145. Wie flexibel bist du? Oh schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass sich sehr flexibel bin. Mich überfordert es schnell, mich auf Neues einzulassen. Ich kenn mich gern aus und weiß, was los ist.

146. Gibt es eine ungewöhnliche Kombination beim Essen, die du richtig gerne magst? Ok Achtung, jetzt wird’s grauslich: Ich esse zuweilen mal ne Tiefkühlpizza und damit es noch so richtig schon grauslich wird, mach ich mir da gern Mayonnaise drauf. Ich hab Euch gewarnt!

147. Was tust du, wenn du in einer Schlange warten musst? Wenn ich allein bin – bewusst atmen, den Moment nutzen für mich. Mit den Kindern – ungeduldig herumwackeln.

148. Wo siehst du besser aus: im Spiegel oder auf Fotos? och das kommt ja aufs Foto an. Und auf den Moment im Spiegel. Das kann hier und da furchtbar sein, aber auch ganz passabel.

149. Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport? Weder noch. Ich achte da gar nicht so drauf. Bewegung habe ich eigentlich eh genug. Und ich esse, wenn ich mag.

150. Führst du oft Selbstgespräche? Ja. Schon immer.

Gute Nacht!

Alle bisherigen Fragen findet Ihr hier.

Meditation :: Die Antwort ist Sitzen

Meinen ersten Meditationskurs besuchte ich mit 18 in unserer kleinen Volkshochschule damals. Wir hatten das einem Freund im Kreise zum Geburtstag geschenkt. Das heißt nicht wirklich – er hatte die Wahl zwischen einem Sicherheitskurs mit dem Auto und einem Meditationskurs. Den wählte er und wir machten mit. 

Am Anfang des Kurses sollten wir unsere Gedanken auf Wolken setzen und ich war die ganze Zeit damit beschäftigt mir zu überlegen wie das gehen soll. Ich schaffte es nicht mir kleine Wölkchen in meinen Kopf zu holen und meine Gedanken darauf zu schnallen. Bei der gemeinsamen Om-Meditation begannen wir nach und nach zu kichern. Es war so klischeehaft und schräg. Und wir waren 18 und albern.

Trotz dieses holprigen Kurses kam ich immer wieder zur Meditation zurück. Vor allem über den Weg des Yoga. In beidem spürte ich etwas Wohltuendes. Für den Körper und meinen zuweilen wirren und unverständlich fragezeichenreichen Kopf. So richtig viel, wenn auch nicht sehr viel, meditiere ich nun seit dem Beginn unseres mbsr Kurses vor 1,5 Jahren. Endlich sollte ich nicht mehr Gedanken auf Wolken setzen, sondern die Gedanken hinnehmen. Nicht wegschieben, sondern akzeptieren, dass sie da waren, dass ich ihnen verfallen war vielleicht, unbewusst gefolgt in dunkle Gassen. Stattdessen mich zurückholen ins Hier und mich wieder auf das fokussieren, was ich eigentlich tat. Atmen. Mitgefühl in die Welt schicken oder mir selbst über die Schultern legen. Meinen Körper durchreisen und bis in jeden Winkel spüren.

Vor zwei Monaten begann ich die “Bibel” der Meditation zu lesen. Handbuch Meditation * von Culadasa. Er beschreibt nüchtern, klar und ganz unesoterisch worum es bei der Meditation geht und wie sie gelingen kann. Das sprach mich an. Culadasa hat das Üben und Praktizieren auf 10 Stufen aufgeteilt. Und in Stufe 1, in der ich mich noch brav befinde, sagt er, was man tun kann, um sich selbst immer wieder zu motivieren. Denn ja, ich habe gute Zeiten, in denen ich mich regelmässig hinsetze. Aber dann kommen wieder schlechte Zeiten und das ärgert mich, weil doch die Meditation das sein könnte, was beide verbindet. Und was beide erträglich macht. Deshalb befolge ich nun seine Anleitungen und Schritte und sitze. Täglich. Und ich schreibe darüber, denn er sagt, wenn man andere inspiriert, dann ist die eigene Motivation auch wieder größer. Damit hat er wohl auch wieder recht. Aber das ist nicht alles, was mich fasziniert. Dank diesem Buch habe ich es endlich geschafft einen Zustand zu erreichen, von dem ich immer wieder las oder hörte, aber der mir schwer fiel zu verstehen und vorzustellen. Es ist das Fokussieren, die Aufmerksamkeit einerseits, gleichzeitig die Präsenz im Raum, im Hier und im Jetzt und dem Gewahrsein dessen, was um mich herum ist. Ohne mich von dem einen noch dem anderen zu stark leiten zu lassen.

Ganz im Urlaubsmodus saß ich also in Dänemark in meinem kleinen Meditationszimmerchen (es war das Kinderzimmer eines der Mädchen der Tauschfamilie) und schloss die Augen. Ich durchstreifte all seine 6 Schritte, um in die Meditation einzutauchen und dann die 4 Schritte bis zum Meditationsobjekt – dem Atem an der Nasenspitze zu gelangen. Und dann atmete ich und spürte, lauschte der Stille um mich herum, zählte die Atemzüge, spürte, atmete, saß und … war plötzlich da. Ich war im Raum und präsent und gleichzeitig spürte ich ganz klar den Atem da, wo er war. Ich hörte den kleinen Wecker ticken und genoß seine Regelmässigkeit während ich weiter ganz fokussiert auf den Atem an meiner Nasenspitze war. Und da endlich in dem Moment wusste ich, was gemeint war. Ich war da. Und ich lächelte. Ich wusste auch nicht wie es passiert war und ich hätte es auch nicht wirklich erklären können. Es war wie mit den 3D Bildern “Magisches Auge”, die in den 90ern so aktuell waren. Da konnte man auch nicht erklären, wie man plötzlich vom Draufstarren dazu kam eine Horde Delphine in einem wirren LSD Muster zu erkennen.

Aber endlich wusste ich, was die Antwort auf alle Fragen und auftretenden Hindernisse beim Meditieren ist: Sitzen. Sitzen sitzen sitzen. Weitermachen und offen sein dafür, dass geschieht, was richtig ist. So kann ich auch noch immer nicht allzu lange am Stück sitzen, aber es wird stetig ein wenig mehr. Und ich schaffe es endlich wieder täglich. Und die Motivation steigt. Und die Freude daran. Und besonders süchtig bin ich nach dem Gefühl, das mich nach der Meditation umgibt. Diese leichte Stille. Dieses Hiersein und Jetztsein. Das warme Strahlen hinter den Alltagswolken. Mehr davon. Viel viel mehr davon wünsche ich mir. Und Dir.

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Draußengestaltung :: eine Lektion im Loslassen

Wenn ich draußen unterwegs bin und irgendwo sitze – bei einem Picknick etwa, am Spielplatz, am Strand etc., dann kann ich nicht anders als irgendetwas tun. Meist finde ich mir kleine Dinge aus der Natur um mich herum und beginne irgendetwas zu werkeln. Meist entstehen irgendwelche Bilder oder sogenannte Landart – Kunstwerke in der Natur. Wobei meine “Werke” nicht so großartig sind wie so manche wirkliche Landart.

Ein wesentlicher Prozess bei all dem ist das Loslassen. Das beginnt schon damit, dass mir manchmal ein Bild im Kopf entsteht, das ich dann nicht beenden kann, weil mir vielleicht die Materialien ausgehen. Manchmal kommt auch mittendrin ein Windhauch und bläst mir meine sorgsam zurechtgelegten Blätter davon. Da kann man natürlich verärgert sein. Nicht selten entsteht dann aber etwas ganz wunderbares Neues. Und das ist eine wesentliche Lektion, wie ich finde. Es ist nicht immer leicht zu fragen: “Was kann das jetzt Gutes bringen?” oder was kann ich Gutes aus einer schlechten Erfahrung mitnehmen? Manchmal brauchen diese Überlegungen einfach Zeit. Viel Geduld. Aber vor allem erst einmal die Fähigkeit, diese Frage überhaupt zu stellen.

Ich hätte auch nie geglaubt, dass der Herzfehler meines Sohnes etwas Gutes haben würde. Aber die Kräfte und inneren Fähigkeiten, die ich dabei an und in mir entdeckt habe, würde ich sonst vielleicht bis heute nicht sehen. Das gibt mir immer wieder das Vertrauen: Es gibt vieles, was ich schaffen kann, von dem ich nicht glaube, dass ich es schaffen werde.

Das besondere an diesen Draußenkunstwerken ist letztendlich aber das: Sie bleiben, wo sie sind und werden, was ich nicht beeinflussen kann. Oft werkeln wir ewig an Bildern herum, bis sie richtig und gut erscheinen. Dann liegen sie in Mappen, in Artjournals. Die wenigsten landen an der Wand. Das, was draußen entsteht, bleibt dort. Ich lasse es zurück, überlasse es sich selbst und lasse los. Dabei stelle ich immer wieder fest: Es tut gut. Viel zu oft halten wir fest an Dingen oder Momenten. Wollen nichts zurücklassen. Wir behalten Materielles, um Erinnerungen nicht zu verlieren. Dabei sind die Dinge oft Ballast. Und die Erinnerung bleibt, wenn sie wichtig war. Wenn sie besonders war, werden wir sie uns immer wieder in den Kopf holen, im Herz halten und innerlich umarmen. Damit wärmen wir sie und halten sie parat. Das kann manchmal viel schöner sein als ein Ding, von dem wir glauben, dass es die Erinnerung für uns verpackt beschützt.

 

 

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