Tag 7 – Warten

Der Mond lächelte dem Tag entgegen, wanderte über das Land und zauberte aus den Schatten der untergehenden Sonne eine wohlige Dunkelheit. Hier war er der König und die Stille sein bester Freund.
In dieser Dunkelheit saß Konrad, die Knie angezogen, mit den Armen umschlungen, vor seinem Haus. Die Zigarette hatte er aufgeraucht, ausgedrückt und säuberlich in den Garten der Nachbarin geworfen. Die würde sie morgen wütend aufheben und zurück werfen. Das war ihm egal.
Die Hitze des vergangenen Spätsommertages lag noch über ihm, die feuchte Herbstkühle kroch allmählich aus dem Boden zu ihm hinauf. Er wartete.
Wartete darauf, dass Ihr Auto aus der Dunkelheit auftauchen und die Straße hinauffahren würde. Dass ihr Lachen durch das Autofenster zu ihm strahlen würde. Dass sie aussteigen und sich zu ihm setzen, ihn umarmen und küssen würde. Doch es blieb still. Sie war schon lange unterwegs. Zu lange und erste abenteuerliche Gedanken liefen auf der Kinoleinwand in seinem Kopf umher. Er zündete sich eine weitere Zigarette an. Bei jedem Geräusch wandte er den Kopf zur Straße, doch es blieb dunkel und wurde wieder still. Stunden vergingen. Er schlang die Arme enger um seine Beine. Im Garten der Nachbarin bildete sich ein Getürm aus Zigarettenstummeln. Ein verrauchtes Stilleben.

Der Mond wanderte über ihm entlang und schaute besorgt auf ihn herab. Und als nach und nach alle Lichter in den Häusern erloschen waren, stand er auf und spürte, wie er zitterte. Er drehte sich um und vor dem Haus stand sie und lächelte ihn an. Sie hielt ihm die Hand entgegen und sagte leise: “Es ist kalt. Komm rein.”
Ein letztes Mal blickte er zur Straße. Nein, sie würde nicht wieder kommen.

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