Meditation :: Die Antwort ist Sitzen

Meinen ersten Meditationskurs besuchte ich mit 18 in unserer kleinen Volkshochschule damals. Wir hatten das einem Freund im Kreise zum Geburtstag geschenkt. Das heißt nicht wirklich – er hatte die Wahl zwischen einem Sicherheitskurs mit dem Auto und einem Meditationskurs. Den wählte er und wir machten mit. 

Am Anfang des Kurses sollten wir unsere Gedanken auf Wolken setzen und ich war die ganze Zeit damit beschäftigt mir zu überlegen wie das gehen soll. Ich schaffte es nicht mir kleine Wölkchen in meinen Kopf zu holen und meine Gedanken darauf zu schnallen. Bei der gemeinsamen Om-Meditation begannen wir nach und nach zu kichern. Es war so klischeehaft und schräg. Und wir waren 18 und albern.

Trotz dieses holprigen Kurses kam ich immer wieder zur Meditation zurück. Vor allem über den Weg des Yoga. In beidem spürte ich etwas Wohltuendes. Für den Körper und meinen zuweilen wirren und unverständlich fragezeichenreichen Kopf. So richtig viel, wenn auch nicht sehr viel, meditiere ich nun seit dem Beginn unseres mbsr Kurses vor 1,5 Jahren. Endlich sollte ich nicht mehr Gedanken auf Wolken setzen, sondern die Gedanken hinnehmen. Nicht wegschieben, sondern akzeptieren, dass sie da waren, dass ich ihnen verfallen war vielleicht, unbewusst gefolgt in dunkle Gassen. Stattdessen mich zurückholen ins Hier und mich wieder auf das fokussieren, was ich eigentlich tat. Atmen. Mitgefühl in die Welt schicken oder mir selbst über die Schultern legen. Meinen Körper durchreisen und bis in jeden Winkel spüren.

Vor zwei Monaten begann ich die “Bibel” der Meditation zu lesen. Handbuch Meditation * von Culadasa. Er beschreibt nüchtern, klar und ganz unesoterisch worum es bei der Meditation geht und wie sie gelingen kann. Das sprach mich an. Culadasa hat das Üben und Praktizieren auf 10 Stufen aufgeteilt. Und in Stufe 1, in der ich mich noch brav befinde, sagt er, was man tun kann, um sich selbst immer wieder zu motivieren. Denn ja, ich habe gute Zeiten, in denen ich mich regelmässig hinsetze. Aber dann kommen wieder schlechte Zeiten und das ärgert mich, weil doch die Meditation das sein könnte, was beide verbindet. Und was beide erträglich macht. Deshalb befolge ich nun seine Anleitungen und Schritte und sitze. Täglich. Und ich schreibe darüber, denn er sagt, wenn man andere inspiriert, dann ist die eigene Motivation auch wieder größer. Damit hat er wohl auch wieder recht. Aber das ist nicht alles, was mich fasziniert. Dank diesem Buch habe ich es endlich geschafft einen Zustand zu erreichen, von dem ich immer wieder las oder hörte, aber der mir schwer fiel zu verstehen und vorzustellen. Es ist das Fokussieren, die Aufmerksamkeit einerseits, gleichzeitig die Präsenz im Raum, im Hier und im Jetzt und dem Gewahrsein dessen, was um mich herum ist. Ohne mich von dem einen noch dem anderen zu stark leiten zu lassen.

Ganz im Urlaubsmodus saß ich also in Dänemark in meinem kleinen Meditationszimmerchen (es war das Kinderzimmer eines der Mädchen der Tauschfamilie) und schloss die Augen. Ich durchstreifte all seine 6 Schritte, um in die Meditation einzutauchen und dann die 4 Schritte bis zum Meditationsobjekt – dem Atem an der Nasenspitze zu gelangen. Und dann atmete ich und spürte, lauschte der Stille um mich herum, zählte die Atemzüge, spürte, atmete, saß und … war plötzlich da. Ich war im Raum und präsent und gleichzeitig spürte ich ganz klar den Atem da, wo er war. Ich hörte den kleinen Wecker ticken und genoß seine Regelmässigkeit während ich weiter ganz fokussiert auf den Atem an meiner Nasenspitze war. Und da endlich in dem Moment wusste ich, was gemeint war. Ich war da. Und ich lächelte. Ich wusste auch nicht wie es passiert war und ich hätte es auch nicht wirklich erklären können. Es war wie mit den 3D Bildern “Magisches Auge”, die in den 90ern so aktuell waren. Da konnte man auch nicht erklären, wie man plötzlich vom Draufstarren dazu kam eine Horde Delphine in einem wirren LSD Muster zu erkennen.

Aber endlich wusste ich, was die Antwort auf alle Fragen und auftretenden Hindernisse beim Meditieren ist: Sitzen. Sitzen sitzen sitzen. Weitermachen und offen sein dafür, dass geschieht, was richtig ist. So kann ich auch noch immer nicht allzu lange am Stück sitzen, aber es wird stetig ein wenig mehr. Und ich schaffe es endlich wieder täglich. Und die Motivation steigt. Und die Freude daran. Und besonders süchtig bin ich nach dem Gefühl, das mich nach der Meditation umgibt. Diese leichte Stille. Dieses Hiersein und Jetztsein. Das warme Strahlen hinter den Alltagswolken. Mehr davon. Viel viel mehr davon wünsche ich mir. Und Dir.

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