Draußengestaltung :: eine Lektion im Loslassen

Wenn ich draußen unterwegs bin und irgendwo sitze – bei einem Picknick etwa, am Spielplatz, am Strand etc., dann kann ich nicht anders als irgendetwas tun. Meist finde ich mir kleine Dinge aus der Natur um mich herum und beginne irgendetwas zu werkeln. Meist entstehen irgendwelche Bilder oder sogenannte Landart – Kunstwerke in der Natur. Wobei meine “Werke” nicht so großartig sind wie so manche wirkliche Landart.

Ein wesentlicher Prozess bei all dem ist das Loslassen. Das beginnt schon damit, dass mir manchmal ein Bild im Kopf entsteht, das ich dann nicht beenden kann, weil mir vielleicht die Materialien ausgehen. Manchmal kommt auch mittendrin ein Windhauch und bläst mir meine sorgsam zurechtgelegten Blätter davon. Da kann man natürlich verärgert sein. Nicht selten entsteht dann aber etwas ganz wunderbares Neues. Und das ist eine wesentliche Lektion, wie ich finde. Es ist nicht immer leicht zu fragen: “Was kann das jetzt Gutes bringen?” oder was kann ich Gutes aus einer schlechten Erfahrung mitnehmen? Manchmal brauchen diese Überlegungen einfach Zeit. Viel Geduld. Aber vor allem erst einmal die Fähigkeit, diese Frage überhaupt zu stellen.

Ich hätte auch nie geglaubt, dass der Herzfehler meines Sohnes etwas Gutes haben würde. Aber die Kräfte und inneren Fähigkeiten, die ich dabei an und in mir entdeckt habe, würde ich sonst vielleicht bis heute nicht sehen. Das gibt mir immer wieder das Vertrauen: Es gibt vieles, was ich schaffen kann, von dem ich nicht glaube, dass ich es schaffen werde.

Das besondere an diesen Draußenkunstwerken ist letztendlich aber das: Sie bleiben, wo sie sind und werden, was ich nicht beeinflussen kann. Oft werkeln wir ewig an Bildern herum, bis sie richtig und gut erscheinen. Dann liegen sie in Mappen, in Artjournals. Die wenigsten landen an der Wand. Das, was draußen entsteht, bleibt dort. Ich lasse es zurück, überlasse es sich selbst und lasse los. Dabei stelle ich immer wieder fest: Es tut gut. Viel zu oft halten wir fest an Dingen oder Momenten. Wollen nichts zurücklassen. Wir behalten Materielles, um Erinnerungen nicht zu verlieren. Dabei sind die Dinge oft Ballast. Und die Erinnerung bleibt, wenn sie wichtig war. Wenn sie besonders war, werden wir sie uns immer wieder in den Kopf holen, im Herz halten und innerlich umarmen. Damit wärmen wir sie und halten sie parat. Das kann manchmal viel schöner sein als ein Ding, von dem wir glauben, dass es die Erinnerung für uns verpackt beschützt.

 

 

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