Im Wald

Im Wald

Ich hatte ganz vergessen wie sehr ich den Wald liebe. All die Jahre lebte ich in der Stadt, in verschiedenen Städten und der Wald war immer irgendwo “da draußen”. Ich hatte natürlich Erinnerungen an ihn, an seinen Geruch, seine Schönheit. Aber ich hatte vergessen wie gut er tut. Und wie sehr ich ihn liebe.

Seit dem wunderschönen Tag im Wald im Juni war diese Liebe neu entfacht und nun sehnte ich mich nach mehr davon. Zum Glück war dieser Urlaub hier in Dänemark schon in greifbarer Nähe und nun sind wir hier und tatsächlich ist der Wald nur 5 Minuten vom Haus entfernt. Was für ein Glück.

So begrüßte ich gestern Abend selig die ersten Baumgeister. Groß sind sie, still und kräftig. Einzigartig und schön. Jeder für sich. Manche umarmte ich, die meisten bestaunte ich und ein paar luden mich ein hinauf in ihre Krone zu klettern. Ich fühlte mich wie ein Kind auf Erkundungstour. Goldglänzendes Abendlicht leuchtete mir dabei den Weg. Es war zauberhaft.

Heute zog es mich gleich wieder in den Wald. Ich begrüßte meine neuen Freunde von gestern und atmete tief durch. Ich erforschte neue Wege und kam auch hin und wieder von ihnen ab. Dafür wurde ich reich beschenkt. Gestern erst las ich von den sogenannten Baumperlen, heute fand ich sie an vielen großen alten Bäumen hängen. Ich zupfte die, die leicht abzuzupfen gingen und erfreute mich an ihnen. Natürlich bedankte ich mich bei jedem Baum für sein großzügiges Geschenk.

Die größte Überraschung jedoch war für mich jedoch mein Stenz. Schon oft hatte ich auf Instagram solche gesehen und bei Jademond ganz neidisch ihren beäugt. So verliebt war ich in diese zauberhaften Gebilde. Hier nun wachsen sie im gesamten Wald.

Und einige lagen umgeknickt am Boden. Manche waren zu dick und groß, die konnte ich nicht mit der bloßen Hand trennen. Aber bei diesem hier gelang es mir und stolz trug ich meinen Zauberstab davon. Was für ein Glück.

Gern hätte ich mir einen Platz zum Sitzen gesucht im Wald. Doch bisher war das nicht möglich, weil mich immer unzählige Insekten begleiten, die mich davon abhalten wollen still zu sitzen. So halte ich nur hin und wieder inne, genieße die Stille, die zarten Geräusche, die der Wald hergibt, lausche dem Gesang des Kuckucks, atme die trocken-hölzerne Luft und tanke Energie. Besonders zauberhaft empfinde ich die Sorglosigkeit. Es ist, als würde am Waldrand eine unsichtbarer Korb stehen, in den alle Sorgen fallen, wenn ich den Wald betrete. Nichts davon ist hier drin wichtig. Nichts davon plagt mich so sehr wie hier draußen. Ich bin ich. Ich bin frei. Ich bin neugierig und beglückt. Beseelt und verzaubert vom Wald.

Und selbst, wenn ich mal nicht lächelnd durch den Wald stapfe, dann bringt mich Ole Svenson zum lachen. (Ja, ich habe die Angewohnheit besonderen Bäumen Namen zu geben).

Auskosten werde ich ihn, diesen Wald. Aufsaugen und genießen bis zum letzen Moment. Um so lange wie möglich von dieser kraftvollen Sorglosigkeit zehren zu können.

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