Vom Kopf ins Herz

Ich befasse mich ja nun schon länger mit den Themen Berufung finden, Träume und Ziele verfolgen, seinen eigenen Weg gehen, sein eigenes Ding machen und sich bei all dem auch noch wertvoll und ganz fühlen. Da stößt man ja auf die wildesten Webseiten, auf inspirierende Menschen und Konzepte, auf Methoden und Tips und Ratschläge ohne Ende.

Vielem gehe ich nach, probiere aus. Oft lasse ich mich verleiten und bleibe hängen um irgendwann festzustellen, dass auch die drölfzigste Übung wieder kein Ergebnis bringt. Dass ich in meiner Suppe rühre und nicht vom Fleck komme. Und jetzt bin ich mit der Hilfe sehr wertvoller Menschen irgendwann drauf gekommen, warum das so ist.

Da gibt es diese vielen feinen Zitate, die Slogan und Sätze, Affirmationen und Weisheiten. Die sprechen uns an und im Moment denken wir: Ja! Genau so.

Zum Beispiel ganz einfache wie

“Ich bin wertvoll.”
“Ich bin ein Wunder.”
“Do more of what makes you happy.”
“Wenn Du tust, was Du liebst, musst Du nie wieder arbeiten.” (Mark Twain)

Da habe ich mich immer gefragt: okay, wenn ich das sehe, das lese, dann denke ich mir: Ja! Genau! Das sehe ich auch so. Ich sehe schon, dass ich wertvoll bin, dass ich es wert bin, geliebt zu werden, dass ich wunderbare Fähigkeiten habe und diese auch immer mehr kenne. Ich weiß, dass das, was ich tue, genug ist. (okay, das hat etwas gedauert). Und ich glaube wirklich, dass man glücklich sein kann, wenn man tut, was man liebt. Und damit auch erfolgreich. Dennoch stehe ich immer wieder an. Fühle mich doch wieder sinnlos. Hinterfrage alles Tun oder Nichtstun. Drehe mich im Kreis und denke mir irgendwann: Lasst mich alle in Ruhe mit Euren Floskeln! Es funktioniert bei mir nicht.

Das Problem dabei: Alle Zustimmung, Alles Verständnis landete im Kopf und blieb da. Bestenfalls. Manche wurden aber auch auf dem Weg in Kopf und Bauch abgelenkt. Von alten Glaubenssätzen zerschossen. Von Selbstzweifeln aufgefuttert. Haben sich getriggert von alten Erfahrungen und Worten anderer Menschen spontan in Luft aufgelöst. Und deshalb stehe ich dann immer wieder an. Nicke lächelnd, bin zuversichtlich und verzweifle am Ende wieder.

Okay, dachte ich mir. Es muss also den Weg ins Herz finden. Aber wie? Wie ???

Am Freitag ging ich durch die Stadt. Von einem Arzttermin zum nächsten. Der zweite dauerte nur kurz und ich hatte mehr Zeit als geplant über. So ging ich noch ins nächste Spielzeuggeschäft und kaufte dem Liepsten ein Star Wars Kartenspiel zum Vatertag. Nicht, weil ich den Vatertag so feiernswert finde, sondern weil die Kinder ihn so toll finden. Der Muttertag war eine herrliche Aufregung und obwohl mir das egal ist, so habe ich das doch sehr lieb und niedlich gefunden und war letztendlich sehr gerührt. Der Liepste war mit den Kindern im Legostore und hatte mir einen Lego-Yoda besorgt. Weil ich Yoda so mag. Also kaufte ich nun dieses Kartenspiel, damit der Liepste und der Star Wars fanatische Sohn etwas miteinander haben, weil die Liebe zu Star Wars sie so sehr verbindet. Danach machte ich mich auf den Weg zum Supermarkt um alles für das Vatertagsfrühstück zu kaufen. Gemütlich sollte es werden. Und mal so richtig rundumschön. Bepackter als geplant fuhr ich mit der U-Bahn zum Kindergarten um die Jüngsten zu holen. Auf der Rolltreppe nach oben dachte ich: “Es stimmt schon. Ich mache mir immer viele Gedanken um alle. Ich versuche alle im Blick zu haben, an solche Kleinigkeiten zu denken. Will, dass es allen gut geht. Mag kleine Überraschungen. Es stimmt. Ich bin wertvoll.” In dem Moment standen mir Tränen in den Augen. Da spürte ich es. Das Gefühl, wertvoll zu sein, war vom Kopf ins Herz gerutscht. Ich nickte nicht nur zustimmend und ahnte, dass es stimmen würde. Ich fühlte es. So ganz echt.

Und das machte den Unterschied zu allen anderen Momenten.

Wie ich da nun immer hinkomme? Ich habe kein Zauberrezept. Ich glaube nur, dass man einfach immer wieder im Kopf anfangen muss. Daran glauben. Darauf vertrauen. Dass der Weg sich finden wird, auch wenn es dunkel ist. Dass Türen aufgehen werden, wenn die Zeit dafür kommt. Egal was es ist was uns schwer fällt zu sehen oder zu fühlen. Im Kopf fängt es an. Und wenn wir unser Herz offen halten und den Bauch bereit, dann kann irgendwann so ein Gedanke an einem alten Glaubenssatz vorbei rutschen und vor ihm im Herz landen. Dann kann aus einer Affirmation echte tiefe Überzeugung werden, die aus dem Bauch heraus spricht, auch wenn der Verstand mal schläfrig hinkt.

Ich bin zauberhaft berührt von diesem Moment. In dem Tränen der Freude mit denen der Traurigkeitum die Wette liefen. Freude über diese Erfahrung. Das Gefühl endlich genau das zu fühlen. Und Traurigkeit darüber, bis dahin anders gefühlt zu haben und darunter auch immer wieder gelitten zu haben. Aber Pema Chödrön sagt:

“Nothing ever goes away until it has taught us what we need to know.”

In diesem Sinne: Dran glauben. Dranbleiben. Und auf die zauberhaften Wunder freuen, die sich hinter all den dunklen Wolken verstecken.

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