1500 Wörter

Heute landete ich auf Youtube mal wieder auf einem Kanal für angehende Autor:innen. Ich sollte sowas ja meiden, weil es einen ja doch immer nur verwirrt und vom eigenen Schreiben ablenkt, zumindest wenn man keine konkrete Frage hat. Aber weil ich ja nur Unterhaltung beim Essen suchte, klickte ich auf das Video, das mir erklären wollte, wie man es schafft mit Murakamis Schreibroutine einen Roman fertigzuschreiben. Und ja, weil ich ja Murakami mag und gerade auch lese, klickte ich also drauf.

Aber eigentlich war ich ja schon raus, als sie beim ersten von vier Punkten erklärte, Murakami würde um 4Uhr morgens aufstehen, um ohne Ablenkungen… Nein danke. Ist ja nicht so, als hätte ich es nicht schon hundertfach versucht früh aufzustehen um irgendwas zu schaffen. Yoga. Meditation. Morgenseiten. Fakt ist: Ich bin nach drei Tagen sowas von durch und müde, dass ich selbst auf offener Straße einschlafen könnte. Keine Option und kommt für mich vielleicht in Frage, wenn ich mal keinen anderen Alltag mehr habe. Aber das Video lief weiter und ich wollte die anderen drei Punkte noch wissen. Sie erzählte dann, dass Murakami 5-6 Stunden am Tag schreibt. Auch das fällt ja aus für mich, weil ich ja da noch einen Job, Kinder… ein Leben habe. Was mich aber stutzig machte, war, dass sie erklärte, er würde in den 5-6 Stunden 1500 Wörter schreiben. Und es klang, als würde man das nur schaffen können, wenn man eben diese besagte Anzahl an Stunden schriebe. Mein Gehirn blieb da hängen, während sie vom Laufen sprach, weil Murakami überzeugt ist, dass 6km am Tag Laufen helfen würden die Konzentration zu verbessern und man so weiterkäme mit dem Buch. Ich hab dem nix entgegen zu setzen, aber es hat irgendwas um die Schnee Grad draußen und ich fange frühestens bald mit dem Laufen an. Dennoch ließen mich diese 1500 Wörter nicht los. Das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich.

Also setzte ich mich gleich nochmal an mein Schreibprojekt. Eigentlich wusste ich, wie das geht, aber ich wollte es tatsächlich mal die Zeit messen. Ich schaute also auf die Uhr und schrieb los. Und nach exakt einer Stunde hatte ich die 1500 Wörter im Kasten. Auf diese Art hab ich ja die ersten knapp 20.000 Wörter schon geschrieben. Weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich, wenn ich mich konzentriert ran setze, diese 1000-1500 Wörter in nullkommanix drin hab. Und ja, es stimmt, das schafft man vielleicht nicht einfach so jeden Tag. Aber ehrlich gesagt liegt das bei mir dann nicht an der Konzentration, sondern daran, dass ich nicht weiß, wie ich im Plot weitermachen soll. Sobald ich eine Szene vor Augen habe, kann ich die schreiben. Und dann geht das mit den Wörtern sehr schnell. Richtig klar geworden ist mir das, als ich noch für die „Mit Kindern wachsen“ Artikel geschrieben habe. Da hab ich immer kurz vor Deadline noch schnell einen Artikel rausgefetzt. Aber diese last minute Artikel waren oft besser als die, die ich schon Tage vorher begonnen und an denen ich viel zu lange herumgetan hab. Da ist aber einfach jeder anders.

Und da sind wir doch wieder an dem Punkt, dass all diese Videos und Ratgeber nur bedingt helfen. In den meisten Fällen demotivieren sie vermutlich sogar, weil man denkt, man müsse es auch so machen und nur so würde man am Ende… Es gibt Leute, die fetzten den Shitty First Draft in ein paar Tagen raus, manche brauchen Monate und Jahre sogar. Weil eben alle da ganz anders rangehen. Und die Frage ist ja auch, wie schnell man den Shitty First Draft haben will. Ich gehöre da definitiv zu der Sorte Ungeduld. Ich will den am liebsten morgen haben. Ich träume so von durchschriebenen Nächten, die ich aber gar nicht schaffe, weil ich irgendwann zu müde werde. Ich glaube mein Maximum liegt bei 5000 Wörtern am Tag, aber das geht nur am Wochenende, weil ich dazwischen Pause brauche und meist tut mir dann der Hintern weh vom vielen Sitzen.

Man könnte da vermutlich auch all die Bücher von den Stephen Kings und Thomas Manns lesen und schauen, wie sie alle geschrieben haben, welche Tips und Tricks sie auf Lager hatten. Die Frage ist ja hier auch: Warum ist das Schreiben an sich eigentlich so eine Hürde für so viele, wenn es doch irgendwo auch Leidenschaft ist? Das ist etwas, was ich für mich nicht so ganz zusammen bringe. Am Ende muss jeder seine eigene Routine finden. Mir hilft es tatsächlich, wenn ich jeden Tag mindestens 500 Wörter als Ziel habe. 500 Wörter gehen schnell, und oft schaffe ich mehr. Aber wenn ich wenigstens diese 500 Wörter mit Ach und Krach schaffe, dann hab ich das Ziel erreicht und das ist besser, als regelmässig zu scheitern.

Und jetzt heißt es mal wieder in den Stoff zurückfinden. Seit den Ferien habe ich nichts geschrieben bis heute. Denn wenn man mal ein paar Tage rauskippt, ist man schnell komplett raus und dann ist es nicht so einfach zurückzufinden und den Faden wieder aufzunehmen.

Und wer sich jetzt fragt, wieviel 1500 Wörter eigentlich sind – dieser Blogeintrag hier hat knapp ca. 850.

Und hier noch meine ultimative Schreibmusik: Damit komme ich am besten in den Flow.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

    1. buntraum

      oh das gefällt mir gut. Das ist nicht so fix, aber doch irgendwie hilfreich. Danke!

  1. amberlight

    Wörter-Angaben irritieten mich immer erwas, da ich aus dem Wissenschaftlerleben nur Zeichen-Angaben kenne und genauer finde. Wie gut, dass du im Schreiben so gut angekommen bist und nun sogar auch wieder hier schreibst …

Schreibe einen Kommentar