Ablenkung // Distraction

English version below

Seit längerem beschäftige ich mich jetzt schon mit dem Thema Ablenkungen. Im Buddhismus nennt man sie Hindernisse und ich mag den Begriff, weil er klarer aussagt, was sie sind: Hindernisse auf unserem Weg.

Ich versuche immer mehr zu beobachten, wann und wo ich mich ablenke und diesen Hindernissen hingebe. Das ist ganz spannend. Natürlich ist das Handy heutzutage vermutlich die größte Ablenkung von allem überhaupt. Das gesamte Internet ist die reine Ablenkung. Aber das ist offensichtlich. Weniger offensichtlich sind die kleinen Ausflüchte im Alltag. Wenn wir immer etwas zu tun brauchen, nicht ruhig einfach mal dasitzen können, Tätigkeiten prokrastinieren. Denn klar, die Fenster putzen sich am besten, wenn man langweilige Aufgaben zu erledigen hat.

Für mich sind auch diese neuen Ideen und Kurse Ablenkungen. Wenn ich unbedingt jetzt etwas Neues anfangen will, was Neues lernen will. Wenn ich da genauer hinschaue, lenke ich mich oft damit von einer Frustration ab, von einer Situation im Leben, in der ich nicht weiterkomme. Anstatt mich diesem Stillstand zu widmen oder etwas zu tun, was ich vermeide, suche ich mir eine neue Tätigkeit.

Heute ist mir aufgefallen, dass eigentlich auch diese EM und das EM Fieber, das so viele Menschen getroffen hat, pure Ablenkung sind. Da ist endlich was los im Leben, endlich hat man abends was zu tun und muss nicht allein oder in einer eingefahrenen Beziehung daheim hocken. Man hat einen Grund, um sich mit anderen zu treffen, was zu trinken, Emotionen rauszubrüllen. Das ist auch gar nicht unbedingt schlecht, ich will das gar nicht abwerten. Ich denke nur, dass es hilfreich ist, wenn man sich das mal bewusst macht. Mir ist das heute an mir selbst aufgefallen. Ich fruee mich an Tagen, wo spannende Spiele anstehen, immer schon morgens darauf. Weil dann abends was anderes los ist, was Aufregendes in meinem immer gleichen Alltag. Und wenn das Spiel dann vorbei ist, muss ich erstmal wieder in dieser Realität hier ankommen. Im Grunde sind auch Urlaube Ablenkung vom Alltag. Wir brauchen die, um uns unser Leben erträglich zu machen. Um mal was anderes zu erleben. Das ist auch völlig okay, aber es ist auch ein Zeichen von Ablenkung, die man sucht.

Warum ich mich mit all dem beschäftige? Ich glaube halt, dass es sinnvoll ist, sich immer wieder zu fragen, wovor ich davon laufe. Was ich vermeide. Ich denke, so lange ich nicht wirklich bei mir angekommen bin, und das ist man im Buddhismus in Wahrheit nie, so lange will ich einfach wissen, was ich wann tue und warum. ich will eigene Verhaltensweisen verstehen und aufdecken. Um mich so immer mehr zu verstehen und zur Ruhe zu kommen. Innerlich.

Ich weiß, dass der Weg noch weit ist. Aber ich bin sowas von bereit, ihn zu gehen.

***

I have been thinking about distractions for a while now. In Buddhism they are called “hindrances” and I like this word. It actually says, what it is: We are hindering ourselves from walking our path.

So I am trying to observe when and how I am distracting myself from something. That is quite interesting. of course the so called smartphone is the biggest of all distractions. Always there, always full of things to check and see. The whole world wide web is pure distraction from our own little life. But that is obvious. Less obvious are the small distractions in our daily life. When we always need to do something, can’t sit still somewhere. When we procrastinate boring tasks. Because of course – the windows are much easier to clean when I am avoiding some unpleasant emails in the meantime.

For me evey new idea, every newly started course is a distraction. When I need to learn something new RIGHT NOW. That’s a moment to stop and think: What am I trying to avoid? What frustration do I not want to feel anymore? Where do I have the feeling of being stuck? Instead of looking at this stillness I jump into something new. I think that’s also a reason why I moved towns and countries so much.

today I realized that even watching the Euro 2024 is a distraction. People (including me) are happy about this excitement that suddenly gives their days something to look forward to. They can get out of their boring evenings at home alone or their relationships that tend to sleep. Now they have a good reason to go out and meet others, get drunk. It’s not bad, I don’t want to judge it. I just think it’s good to know that this could be a distraction from something.

Today I realized that I am looking forward to exciting matches in the morning already. As if finally something fun is happening on a dull Tuesday night. And when the game is over I have to get back into my reality. I don’t always like that.

So why am I thinking about all of this? I want to know what I am avoiding. I think that if I really want to be me, know me, understand me, I have to understand what I do and when and why. Know my behavior patterns. In Buddhism they say that you will never be fully there, never reach “home” or Nirvana, enlightement. And that would be too much to expect anyway. But to feel satisfied and happy on a more calm and constant basis, that would be great.

So I know the path is long and rocks and pebbles everywhere. But I am ready to hit the road. Let’s go!

Schreibe einen Kommentar