Alles eine Phase

Als die Kinder klein waren, war das ein Spruch, den ich elendig verflucht habe. Was auch immer sie aufgeführt haben, es war angeblich nur eine Phase. Man konnte Dinge dramatisieren oder sie abstempeln als etwas, wo alle durch müssen.

Heute weiß ich, dass meistens letzteres der Fall war. Das meiste war tatsächlich eine Phase. Das der große Sohn mit vier Jahren im Sommer bei 40° nicht in kurze Hosen und kurze T-Shirts zu zwängen war. Er bestand auf langärmlige Schlafanzüge, in denen er auch durch die Stadt ging. Eine Phase, für die wir bis heute keine wirkliche Erklärung haben. Die unterschiedlich langen Phasen der Windelnutzung der Kinder. Die Zeit, in der man nichts helfen durfte und alles allein gemacht werden musste. Die Zeit, in der man den Raum nicht verlassen durfte oder der Sommer, in dem ich nicht am Balkon sitzen durfte, weil ich dann zu weit weg vom Schlafzimmer des Kindes war. Alles Phasen.

Auch heute noch stecken sie in gewissen Phasen. Natürlich. Und mittendrin hilft mir der Gedanke dennoch nie. Natürlich nicht.

Und wenn ich mir mein eigenes Leben nun dagegen anschaue… Auch alles Phasen. Immernoch. Phasen, in denen ich schreibe wie eine Blöde. Leider derzeit nicht der Fall. Phasen, in denen ich völlig fasziniert von einem Thema bin und alles aufsauge dazu. Derzeit das Thema Geld, Finanzen, Mindset. Mega spannend und hoffentlich eben nicht nur eine Phase, die vergeht und verglüht, sondern von der etwas bleibt. Es gibt die Phasen, in denen ich richtig scheiße drauf bin. Zum Glück scheint so eine Phase gerade überstanden. Darf so bleiben. Bittedanke. Phasen, in denen ich mich alt fühle, Phasen der Euphorie, stressige Phasen…. Ich freue mich jedenfalls wieder auf eine Phase des Schreibens. Derzeit eher das Zeichnen, immerhin kreatives Schaffen, dass mir irre viel Spaß macht. Scheinbar gehen Schreiben und Zeichnen auch nicht parallel, es ist immer so, dass der Fokus auf einem von beidem liegt. Und es ist, als könnte ich das selbst gar nicht steuern, als würde mein Kopf, mein Körper, das einfach so entscheiden. Dann sehe ich wieder Bilder im Kopf, dann zieht es mich zu Papier und Stift und ich will unbedingt zeichnen stundenlang. Das mit dem Schreiben versuche ich dann hin und wieder, es geht dann holprig, aber es kommt wieder. Zumindest weiß ich so viel. Naja, könnte eigentlich mal eine Phase des Verkaufens drauf folgen, immerhin wäre es ja schön, wenn die Bilder, die entstehen, nicht nur in irgendwelchen Mappen und Laden herumlungern. Und dann freue ich mich wieder auf eine Phase des Verliebtsein. Haste gehört, Universum? Bittedanke.

Irgendwie ist es auch schön zu wissen, dass alles Phasen sind, dass alles irgendwie auch wieder vorbei geht. Das hilft mir in den dunklen Zeiten immer besonders. In der Euphorie bremst der Gedanke dann manchmal, aber gleichzeitig würde man diese Phase auch gar nicht zu lange aushalten, weil auch die viel Energie raubt. Am Ende steht man einfach immer wieder mitten drin im bunten Leben und kann nur mitschwimmen, mit diesen Wellen. Vermutlich wäre alles andere auch viel zu langweilig.

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