Tag 12 – Nu pogodi!

Als ich ein Kind war, hat mir meine Großcousinentante irgendwas (ehrlich, es sollte ein Fach in erweiterten Verwandtschaftsgraden geben!) das Elektronika “Nu pogodi” Spiel aus Russland mitgebracht. Es war die pure Sucht. Stundenlang konnte ich auf diesen winzigen Kasten schauen und anhand der 4 Knöpfe ließ ich den Wolf hin und her hüpfen und die Eier einfangen, die die Hühner aus ihren Ställen purzeln ließen. Das Geräusch habe ich heute noch im Kopf. Sowohl das tick tick tick der rollenden Eier, als auch den krächzenden Signalton, wenn ein Ei runtergefallen und zerbrochen war, ich somit eins von drei Leben verloren hatte.

Es war der pure Stress. Langsam kullerten anfangs die Eier hinunter, genug Zeit, um den Wolf hin und her und den Korb nach oben oder unten zu steuern. Aber bald schon wurden es mehr Eier und nur wer genau hinschaute, was auf dem winzigen Bildschirm schwierig war, erkannte, welches Ei zuerst fallen und zu welchem man SOFORT hinüberhechten musste. Und obwohl man ja nur Knöpfe drückte, keuchte man innerlich genauso wie der Wolf. Regelmässig schaute dann noch der Hase oben aus einer Luke heraus und bimmelte mit einer Glocke, nur um dem Stress noch eins draufzusetzen. Und wenn alle drei Leben gelebt waren, man hunderte, tausende Eier im Korb, aber doch drei auf den Boden verfrachtet hatte, dann ging alles von vorn los. Ohne nachzudenken, ohne zu zögern.

Witzig. Aber eine gute Übung fürs Leben, dieses Spiel. Denn heute habe ich drei Kinder.

Tag 11 – Der Energiekick, der immer wirkt

“Hallelujaverdammtnochmaljessasna!” rief sie laut auf und er lachte und hielt sich den Bauch. Sie war unfassbar wütend, gleichzeitig war ihre Reaktion so komisch, dass sie selbst lachen musste und so hielten sie sich kurz drauf beide die Bäuche vor Lachen. “Das gibt Rache!” drohte sie und er ahnte, was ihm bevorstand. Nur eben nicht wann… 

Es war zum Spiel geworden, dass die Kinder sie erschreckten, wenn sie vom Klo kam. Immer direkt hinter der Klotür in dem Eck zur Küche, wo der Besen hing. Dort sah man nicht hin, dort erwartete man auch niemanden, außer dem Besen. Mehr Platz war ja da nicht. Eigentlich. Sie ging zurück zum Küchentisch und erst da erinnerte sie sich. Eben war sie noch müde gewesen. Hatte mit dem großen Sohn die schriftliche Division in unendlichen Sphären gerechnet, der Tochter die Sätze aufgezeigt, die sie schreiben sollte und vom kleinen Sohn irgendwelche Knetekekse dankend angenommen und als ob geräuschvoll verspeist. Der Tag war noch keine zwei Stunden lang, fühlte sich aber an wie die ausgetrocknete Knetmasse den Kleinsten. Doch jetzt war sie wach. Vom Schreck. Vom Lachen. Vom Ausbruch, aus dem Trott am Küchentisch.

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Tag 10 – Mein Zeichen

Die Suchen ach dem Zeichen ist schwierig. Angeblich kann man sich ein Zeichen überlegen oder es wird einem quasi gezeigt in dem Moment, in dem man um ein Zeichen bittet, wenn man wissen will, ob man auf dem richtigen Weg ist im Leben. Ich frage mich oft, was mein Zeichen wohl ist. Mir ist noch keines begegnet.

Spiralen gefallen mir. Faszinieren mich und ich zeichne sie auch oft in verschiedensten Ausführungen. Ich liebe Spiralen. Aber ist die Spirale mein Zeichen? Sie begegnet mir selten, eigentlich fast nur, wenn ich sie selbst zeichne. Aber vielleicht bin ich auch nicht auf dem richtigen Weg. Obwohl ich ja glaube, dass ich auch nicht ganz falsch dahinwandern kann, denn so schlecht fühlt sich dieser Weg nicht an und es gibt immer wieder Ecken, die mir gefallen und an denen ich denke: Das passt schon so. Da hängen keine Spiralen. Da ist es einfach nur schön.

Dann gibt es Momente, die mich sehr berühren. Meistens sind das Erzählungen vom Tod. Da fühle ich etwas ganz besonderes, weil es etwas ist, was ich selbst schon erleben musste. Nicht den Tod, aber den Verlust eines Menschen an den Tod. Das ist ja per se nichts wirklich besonderes, das geht ja vielen Menschen so. Aber ich spüre dann immer eine Verbindung. Ich spüre ihr Empfinden und ich spüre in mir einen tiefen Frieden mit meiner Trauer zum einen Frieden geschlossen zu haben. In dieser Trauer aber auch etwas zu haben, mit dem ich da draußen etwas bewegen kann. Durch Worte. Durch das Schreiben von Geschichten, die das Thema aufgreifen. Und als ich eben wieder auf Facebook dem Thema Tod und Trauer begegnet bin, da dachte ich mir, dass der Tod mein Zeichen sei. Der Tod ist mein Zeichen und sagt mit: Hier sollst du lang. Hier gehörst du hin. Hier kannst du heilen und etwas bewirken. Das ist deine Aufgabe.

Tja und da stehe ich nun und frage mich, was ich tun soll. Eigentlich steht es da oben eh. Geschichten über den Tod schreiben. Über die Trauer. Über Verlust. Dass ich das kann, ist keine Frage. Nur warum ich bin heute noch nicht auf die Idee gekommen bin, das schon. Aber eigentlich ist das jetzt auch egal.

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