Back in Vienna. Aber noch nicht wieder richtig da. Und so viel zu verarbeiten im Kopf.
Dieser Trip wird garantiert für immer in meinem Kopf bleiben. Eine sogenannte „Kernerinnerung“, wie sie im Film „Alles steht Kopf“ genannt werden. Das sind die, die im Langzeitgedächtnis bleiben. Die nie gelöscht werden. Auch wenn das Konzert der Kernerinnerungen nicht psychologisch wissenschaftlich belegt ist, so kennen wir doch alle diese Erinnerungen, die wir ewig mit uns tragen. Zu denen wir manchmal zurückkehren im Kopf und sagen „das war so absolut mega grandios“, wahlweise gefolgt von hachs und achs.
Als wir nach einer kleinen wirren Wanderung endlich den uns zugewiesenen Eingang F ins Spotify Camp Nou Stadion gefunden hatten und dort direkt erst einmal nach unten (!!!) gehen mussten und uns dann sogleich nahezu auf einer Ebene mit dem Spielfeld befanden, kamen mir wirklich die Tränen. Das war überwältigend. Das riesige Stadion. Die vielen Menschen und auf einmal alles so nah, so real. Zum Angreifen. Ich glaube in dem Moment waren wir alle vier (der Sohn, sein bester Freund, dessen Vater und ich) erst einmal sprachlos und komplett überwältigt.
In dem Moment waren alle Gedanken an die Ticketpreise, Flugpreise, das Aufstehen um 4.30Uhr und auch sonstige vermeintliche Probleme in einem Glitzerball aufgelöst. Alles, was es gab in dem Moment, war das Hier und Jetzt. Die Fotos, die ich machte, können das im Grunde gar nicht wiedergeben.

Und dann ist da diese kollektive Euphorie. Dieser gemeinsame Jubel, die Freude. Erst die Vorfreude. Dann nach kurzer Zeit der erste Torjubel. Und wir hatten Glück – wir durften den fünf Mal erleben. Viel öfter noch sprangen wir von den Sitzen, weil sich Chancen ergaben. Ich bin ja wirklich kein Fan der komplett irren, viel zu lauten, angesoffenen und teils aggressiven Fußballfans, die sich dann noch gern prügeln, wenn das Ergebnis nicht passt. Die teilweise bei manchen Vereinen polizeilich geführt aus dem Stadion geleitet werden müssen. Und ja, auch da gab es die Ultras, die einfach 90Minuten lang durchgehend Stimmung machen, trommeln, singen, Fahnen schwingen, hüpfen und hin und wieder das gesamte Stadion zu Gesängen anstiften. Aber es war eben diese Ansteckung. Es war so ein irres Erlebnis mit 65.000 anderen gemeinsam zu jubeln. Na gut, ziehen wir ein paar einzelne arme Sevilla Fans ab, die wohl eher still gelitten haben. Immerhin haben sie auch zwei Tore geschafft. Aber die große Masse waren einfach normale Menschen. Familien. Touristen. Fans. Ein Fußballfest.

Immer wieder haben wir hinterher noch geschwärmt. Was für ein Glück wir hatten. Mit dem Wetter. Dem Spiel. Dass die wichtigsten Spieler auch wirklich am Feld standen oder später eingewechselt wurden. Dass erstmalig so viele im (sich noch immer im Umbau befindlichen) Stadion zugelassen waren (es wird stetig noch erweitert). Mit dem Ergebnis. Und der Sohn konnte es am nächsten Tag noch nicht fassen, dass er wirklich da war. Mittendrin. Und ich auch nicht irgendwie.
Jetzt heißt es wieder ankommen. In Wien. Im Leben. Im Alltag. Ich bin mir dankbar, dass ich das gemacht habe. Seit Monaten, eigentlich seit Jahren sage ich zum Großen: „Das machen wir fix, wir fahren fix mal nach Barcelona zum Spiel.“ Ganz wichtig war mir dabei immer, dass ich das auch wirklich mache. Nicht nur rede. Mache. Und es war wieder eine Mutprobe. Weil da eben niemand neben mir ist, der sagt „Ja, lass uns das machen. Ich suche uns da was raus.“ Der mit mir überlegt und entscheidet. Diese Dinge liegen allein bei mir. Aber wieder einmal habe ich mir selbst bewiesen: Ich kann das. Ich „brauche“ da niemanden. Auch wenn der Wunsch dennoch da ist, vor allem auch diese Freude und die Euphorie mit jemandem zu teilen. Aber es ist nicht dringlich. Und das fühlt sich gut an. Man muss das Leben wirklich einfach leben, auch wenn es noch so platt und hohl klingt. Nicht uaf irgendetwas oder irgendjemanden warten. Volle Kanne Leben. Dieser Trip war der Inbegriff davon.
Und jetzt zehre ich noch etwas von dieser Energie. Von der Freude. Von dem Erlebten. Von der vielen warmen spanischen Sonne.

So schön!
Und ja, auf alle Fälle machen was man will, auch „alleine“.
❤️