Belastung sein

Das ist ja wieder typisch. Der Große hat einen Tag Fieber, Husten, Schnupfen, liegt im Bett herum und trinkt 48 Liter Tee. Am nächsten Tag ist er fieberfrei und faselt von „bald wieder Fußball spielen“.

Zwei Tage später spüre ich leichtes Halsweh und ärgere mich, weil ich das von all den Krankheitssachen am wenigsten mag. Weil das tut halt weh und man kann nicht schlafen und überhaupt. miau miau.

Und jetzt hänge ich da rum, weil ich halt nicht mehr 16 bin, weit weg davon sogar. Hab wieder einer schlaflose Nacht hinter mir, nix wird bessser hier. Über mir stapelt sich die Arbeit, eigentlich hab ich ab heute Urlaub, morgen wollten meine Eltern anreisen, die hab ich jetzt verschoben auf vielleicht übermorgen oder was weiß ich wann. Als nächstes werde ich versuchen mein Tocotronic Ticket für Donnerstag loszuwerden…

Prinzipiell mag ich es gar nicht so sehr zu jammern, wenn man krank ist. Aber was ich auch nicht mehr mag, gar nicht mehr mag, ist dieses alleinige Kranksein. Also ich mein ja, da sind die Kinder und der Jüngste ist mega süß. Er fragt mich dauernd, ob ich was brauche, kocht mir Tee, geht einkaufen und schimpft, wenn ich zu lange am Laptop sitze und arbeite. Und ich denk mir, dass das ja schön, aber irgendwie auch falsch ist. Weil da sollte ja jemand sein, der sich um mich kümmert. Ich meine sowas hat man doch verdient, wenn man das sonst immer für alle anderen macht. Der nicht fragt, sondern loszieht und einen versorgt, ungefragt Tee hinstellt und die Badewanne einlässt. Der einem die Haare aus dem Gesicht streicht und leise flüstert „Das wird schon wieder, ich mach dich gesund.“ Und dann röchelt man ein bisschen im Bonnie Tyler Style „Danke“ und nickt und schlummert ein bisschen weg. So. So gehört sich das doch.

Naja, da is halt keiner und ich erinnere mich noch, dass auch früher, als ich noch verheiratet war, das Kranksein eines Erwachsenen hier immer nur zu genervter Mehrbelastung für den anderen führte, vor allem seitdem da halt Kinder im Spiel waren. Und das wurde auch immer so geäußert und gezeigt. Also liebe Menschen da draußen in Partnerschaften: Wenn einer krank ist von Euch, seid lieb zueinander und kümmert Euch. Kranksein ist doof genug. Das Gefühl dann noch extra Belastung zu sein nervt ungemein.

Und dann noch diese Unfähigkeit um Hilfe zu bitten. Das zeigt einem ja auch keiner, wie das gut geht. Ich weiß noch, wie ich im Winter 2025 eine Grippe hatte und nix mehr zu Essen im Haus. Die Kids waren bei ihrem Papa und ich schrieb irgendwann, nachdem ich nur noch Bananen und Schokolade in mich gestopft hatte, in den Hauschat hier, ob jemand eventuell vielleicht Essen vom Mittag übrig hat für mich. Von da an hatte ich tagelang mehr Essen hier, als ich überhaupt essen konnte. Aber ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, weil meine 70-jährige Nachbarin für mich gekocht hat. Dabei hatte sie vermutlich sogar Freude daran. Ach, ach.

Naja ich schüttel jetzt das Gefühl von Belastung mal ab hier, was kann ich auch machen. Und nehme den Kaffee, den mir der Jüngste jetzt grad gekocht hat, dankbar an, finde ihn dabei zuckersüß so als kleinen Krankenpfleger und hoffe, dass es morgen besser ist. Damit ich mich wieder gehörig um alle anderen kümmern kann. miau miau

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