Betrachtungen

Heute war ich zur Mammographie. Und ich war mir nicht sicher, ob ich dazu was schreiben will. Es fühlt sich an wie ein Tabuthema, weil man dazu einfach nichts liest. Zumindest in meiner Blase nicht. Dabei gehört es ja irgendwann zum Leben dazu wie ein Zahnarztbesuch. Also zumindest ab einem gewissen Alter.

Aha. Alter. Da isses, das schreckliche Wort. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal die Einladung bekam dafür. Weil ich ein gewisses Alter erreicht hatte. Das war ein seltsames Gefühl. Und nur, weil das Geburtsdatum von einem in einen anderen Topf gefallen war, fingen plötzlich alle Ärzte an mich darauf anzusprechen. „Waren Sie schon bei der Mammographie?“ und „Wann waren Sie denn das letzte Mal zur…“ Und man nickt und erinnert sich und macht zügig Termine und geht da hin.

Und dann steht man da in so einer Umkleidekabine, oben ohne und blickt in einen riesigen Spiegel. Der ist da sicher nicht dafür da, dass man sich da nackt anschaut. Eher für danach, wenn man sich wieder herrichtet für die Außenwelt. Aber es bleibt nicht aus, dass man sich dort nun einmal gegenübersteht. Dem eigenen alternden Ich. Die grauen Haare argwöhnisch betrachtet. Sind das heute mehr als gestern? Die müden Augen. Und ja, die Brüste, der unförmige Körper, der in so einem Spiegel für gewöhnlich unförmig wirkt. Das ist wie beim Shopping. Undankbar sind sie, diese Spiegel.

Und dann wird man schon ins Untersuchungszimmer gebeten und fremde Hände schieben die eigenen Brüste hierhin und dorthin. Und man macht das mit, denkt dabei immer nur „Es ist wichtig. Es ist richtig. Es muss sein. Es gehört dazu.“ Und dann ist es auch schon vorbei. Wieder warten in der Umkleide. Der Spiegel. Die Betrachtungen. Die Fragen nach dem „Wer bist du?“ und keine Antwort von der alternden Frau da im Spiegel. Schon geht es weiter zum Ultraschall und wer glaubte, dass die Brustquetschungen unangenehm waren, der hat nicht mit der Ärztin gerechnet, die das Ultraschallgerät so, wie ein Kind Matchboxautos über den Teppich, über die eigenen Brüste schiebt. Wieder das Mantra. Es ist wichtig. Richtig. Es muss sein. Und dann ist es geschafft.

In der Umkleide kein Blick mehr in den Spiegel. Die Sachen überstreifen, Mantel überwerfen und hinaus. Geschafft. Und eine Welle an Dankbarkeit ins Universum. Weil alles in Ordnung ist. Weil das nur Vorsorge ist. Das Spiegelbild in den Scheiben der Bürogebäude lacht mich an. Es hat Abstand. Distanz zu mir selbst. Und von weitem sieht sie gar nicht so alt aus, die Frau dort. Oder ist es der Frühling, der sie jünger macht?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. amberlight

    1,5 Jahre bis zur 50 habe ich noch und schwanke sehr, ob die Quetschung sein muss oder vielleicht der Ultraschall ausreicht …

    1. buntraum

      ja, das verstehe ich. aber wie gesagt, ich fand ja den Ultraschall fast unangenehmer. Aber das liegt dann wohl auch dran, wer den macht…

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