Tag 487 der aktuellen Hitzewelle. Gefühlt. Und gefühlt jedes Mal, wenn ich in den Wetterbericht schaue, verzögert sich das Ende dieser Hitzewelle. Während Deutschland schon aufatmet, ächzen wir hier in Wien noch immer.
Das Wochenende habe ich fast ausschließlich in meiner kleinen Wohnung verbracht. Das war gut so. Aber es hat mich viel Überwindung gekostet, das auch so zu akzeptieren.
Denn da ist dieses „Du musst raus an die frische Luft“ in meinem Kopf, das da hämmert und nagt. Am Freitag war da auch noch das „brave“ Gefühl von „Ich war ja eh draußen“. Weil ich vormittags kurz auf der Einkaufsstraßenhölle war um mir einen Ventilator zu kaufen und einen Staubsauger gleich dazu. Ja, ich war die, die bei 30° zwei schwere Kartons nach Hause geschleppt hat. Abends war ich dann am Donaukanal, wo der Freund einer Freundin mit seiner Band gespielt hat. Das war sehr schön und erfrischend auch. Also als die Sonne dann endlich endlich verschwunden war.
Am Samstag aber wachte ich auf, es waren schon knapp 27Grad in der Wohnung und ich hatte kurz das Gefühl von „Ich schaffe das nicht. Ich halte die Hitze nicht aus. Wohin mit mir?“ Aber dann gab ich meinem Ventilator den Namen Franz und stellte ihn neben mich. Ich überredete mich zu dem Gedanken, dass es ja bei der Hitze nicht nur in Ordnung, sondern sehr wohl auch höchst verantwortungsvoll wäre, einfach genau dort – neben Franz – das restliche Wochenende zu verbringen. Das fühlte sich kurz gut an. Ich mache was richtig. So war das Gefühl. Nach einem Telefonat mit einer Freundin und dann meiner Mutter, die mir beide bestätigten, dass das sehr wohl richtig sei, fühlte es sich dann auch so an. Und ich musste innerlich lachen, denn natürlich brauchte ich dafür wieder die Bestätigung von außen. Dass ich was richtig machte. Dass es okay war, einfach „nur faul“ zu Hause herumzuhängen.
Aus meiner Kindheit kenne ich ja nur dieses typische „von nix kommt nix“ und dass man ja nicht einfach nur so rumlungern kann. Faulsein. Und witzigerweise war doch aber jetzt genau die Zeit dafür. Die stressigen letzten Schulwochen waren vorüber. Notenschluss. Ende Gelände. In der Arbeit war so viel zu tun, aber doch nicht am Wochenende. Die Kinder waren beim Papa bzw. er bei ihnen. Ich musste einfach gar nichts. Überhaupt nichts. Und doch hatte ich das Gefühl etwas zu müssen.
Das Gefühl blieb bis Sonntag bei mir. Immer wieder versuchte ich es abzuschütteln wie eine lästige Fruchtfliege, die vorm Gesicht herumfliegt. Jeden Abend war ich genauso müde, als wäre ich unterwegs gewesen, hätte irgendwas unternommen. Die Temperatur mittlerweile solide bei 30Grad im Innenraum
Heute, am Montag, blicke ich auf das Wochenende und denke: ich hab nix verpasst. Ich hab nix vernachlässigt. Es war einfach völlig entspannt und genau richtig. Denn jetzt bei den Kindern muss ich ja wieder. Einkaufen. Kochen oder zumindest Essen auf den Tisch werfen. Arbeiten. Nicht zuletzt an den Urlaub denken, der da nächste Woche freudig winkend auf uns wartet. Immerhin bei gekühlten 26 Grad, weil Fußbodenkühlung und Sonnenschutz außen.
Nur heute nochmal Schwitzen. Und am Mittwoch können wir vielleicht schon aufatmen. Dann kommt der Schulschluss-Stress.
Und für die nächste Hitzewelle wünsche ich mir nur noch eines: die einfache Erlaubnis von mir selbst, mal wieder nichts zu tun.