Die Lücke

Gestern endlich „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geschaut. Und dabei wieder heftig die Lücke im eigenen Leben wahrgenommen.

Es kommt ja nicht so oft vor, das Thema. Also Tod und Verlust schon. Aber oft sind es die eigenen Eltern, die Kinder oder Ehepartner. Aber Geschwister zu verlieren… über diese Lücke reden nicht so viele. Meyerhoff macht das in seinen Büchern zum Glück sehr offen, sehr radikal ehrlich. Es ist verrückt, wie sehr sich unsere Lücken ähneln. Und ich frage mich manchmal, ob ihn auch in manchen Situationen einfach so die Tränen überrollen, die Traurigkeit.
In der Verfilmung ist sie natürlich – und auch wegen der starken schauspielerischen Leistung von Bruno Alexander – sehr stark spürbar, diese Lücke. Ich hab pausenlos entweder geheult oder gelacht. Weil Meyerhoff eben alles über eine gewisse Komik abspult, die aber die Tragik dabei noch deutlicher macht. Ich weiß nicht, wie er das so hinbekommt. Angeblich habe ich das in meinem ersten Buchprojekt auch geschafft, das sagen zumindest die wenigen Testleserinnen. Aber an seinen Schreibstil reiche ich natürlich bei weitem nicht heran. Gestern hab ich in einem Interview gehört, dass er findet, dass die Komik die Tragik noch verschärft. Und irgendwie stimmt das, ich hab da noch nie drüber nachgedacht. Naja, wer sollte das besser wissen, als ein Theaterschauspieler.

Nach dem Film stand ich ein wenig verloren herum. Man wird ja nach dem Abspann recht schnell aus dem Saal geworfen. Also nicht richtig, aber wenn dann die Mitarbeiter:innen mit Müllsäcken und Besen daherkommen… Und ja, ich weiß, die nächste Vorstellung und so. Aber da dachte ich mir: Es fehlen so Nachdenksessel in diesen neuen Kinos. In den alten Kinos gibt es ja oft noch Bars oder zumindest so einen Bereich, wo auch Stühle oder Sofas rumstehen. Aber in den großen Kinopalästen gibt es nur ganz viel Freiraum mit Teppich an den Wänden und Böden, aber wenig Sitzmöbel. Und dann stehen da ja überall Menschen herum und warten auf ihren Film in Saal drölfzehn. Und ich mittendrin in meiner Nachwirkung von Lücken und Emotionen… Ich bin nach dem Kino immer so in einer ganz eigenen Zone. Also zumindest dann, wenn mich ein Film so packt und berührt. Ich will dann auch nicht reden. Deshalb gehe ich glaub ich auch so gern allein ins Kino. Ich will dann einfach nur weiter in dieser Zone bleiben, meinen Gedanken und Empfindungen nachhängen. Ging aber nicht.

Bis ich dann zu Hause war, mit U-Bahn und von zu vielen Menschen umgeben, war ich schon wieder viel mehr auf diesem Planeten hier. Hab über meine eigenen Buchprojekte nachgedacht und wie man es schaffen kann, da Tragik mit Komik zu vermischen, Konflikte zu verstärken, so dass man sie besser nachfühlen kann. Ich hab das Gefühl mich immer weiter im Plotten zu verstricken und dabei das eigentliche Schreiben zu vernachlässigen. Aber nur schreiben ohne über den Plot… ach. Ein ewig gleicher Kreisel, in dem ich hin- und herpurzel wie eine Murmel im Labyrinth. Ohne Ausweg, denn kein Buch zu schreiben ist irgendwie auch keine Lösung.

Achja und der Film selbst… ja ich werde ihn nochmal schauen müssen. Er ist einfach unfassbar gut. Und ich weiß, es ist erst Februar, aber er könnte der Film des Jahres… ja doch… das is definitiv ein Kandidat… Gute Nacht!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. amberlight

    Läuft hier im Lieblingsprogrammkino und wird hiermit vorgemerkt. Danke für deine Anregung …

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