Die nächste Tür…

Das Wochenende wieder einmal großteils allein in meiner kleinen Höhle verbracht. Gemischte Gefühle dazu.

Einerseits nervt es mich, dass die Arbeit so viel Lebenszeit frisst, dass ich das Gefühl hab das Leben gar nicht ausreichend genießen zu können. Dass einfach nie genug Zeit ist für Dinge wie Zeichnen, Schreiben, Kino, Häkeln, Lesen. Vor allem Lesen, weil dabei nichts anderes geht. Häkeln geht beim Podcasthören oder Serienschauen. Schreiben geht auch nur allein. Zeichnen geht beim Podcasthören. Ich hab nicht mal aufs Kinoprogramm geschaut, weil ich das Gefühl hatte, dafür keine Zeit zu haben, weil ich so unbedingt gern schreiben und zeichnen wollte. Okay, genug gejammert.

Im Laufe des Wochenendes plötzlich wieder viel über das Thema Autismus nachgedacht. Es erscheint so unlogisch und dann doch wieder so sehr logisch. Es gibt immer wieder Anzeichen.

Ich kann Menschen nicht in die Augen schauen und wenn ich es tue, habe ich das Gefühl, dass sie mich dabei ertappen, wie ich krampfhaft versuche ihnen in die Augen zu schauen. Es ist unerträglich.

Ich mag Begrüßungen und Verabschiedungen nicht. Es irritiert mich nie zu wissen, was angebracht ist und vor allem diese Bussi-Bussi Gesellschaft in Österreich macht mich fertig. Ab wann ist man Bussi-Kandidat? Und wenn nicht, was macht man dann? Handschütteln ist angeblich so deutsch. Ich umarme gern echte gute Freundinnen, sonst will ich nix. Ich mag niemanden berühren, der mir nicht in irgendeiner Form nahe ist. Ich mag schon gar nicht fremde Wangen berühren.

Ich ekel mich vor geschminkten Gesichtern. Es ist mir ein Rätsel, wie Männer geschminkte Frauen küssen können. (Gut, dass sie es können, also gut für all die Frauen). Und komm mir nicht zu nahe, wenn du schwitzt. Auch nicht, wenn du mein Partner bist. Ich finde das ganz schlimm. Und das geht mir auch so, wenn ich sowas im Fernsehen sehe. Das ekelt mich dann durch den Fernseher.

Und ich ekel mich vor Cremes und klebrigem Zeug. Sonnencreme ist der Horror, ich kann sie nur daheim auftragen oder muss sofort ins Wasser um es mir von den Händen zu spülen. Apropos. Beim Backen oder Kochen muss ich dauernd Hände waschen. Auch wenn ich 3 Eier in die Schüssel kloppen muss, will ich nach jedem die Hände waschen. Ich zwinge mich, es nicht zu tun, aber es ist schwer. Wenn ich Salz und Pfeffer mit der Mühle irgendwo drübermahle, dann muss ich das 5 oder 10 Mal machen, keine krumme Zahl darf es sein.

Ich finde Smalltalk anstrengend, wobei das im Laufe des Lebens besser geworden ist. Aber Gespräche, die nirgendwo hinführen, finde ich irre anstrengend und ich verliere dann auch den Faden und schweife ab. Und ja, ich bin ganz gern unter Leuten, aber auch sehr sehr sehr gern allein. Das war ich schon immer. Als Kind hab ich ewig gemalt, Karten gespielt mit mir selbst, Selbstgespräche geführt, später geschrieben, Puzzle schon immer geliebt.

Neue Situationen überfordern mich und es macht mich rasend, wenn Menschen das nicht verstehen, dass ich mich in Menschenmengen nicht nur nicht wohl fühle, ich finde das irre überfordernd und anstrengend, das ist nicht einfach nur ein „fetzt nicht so“. Bei Konzerten stehen ich gern weiter hinten, wo ich noch gut sehe, aber niemanden berühren muss. Wo Platz ist.

Und last but not least (für heute): ich hab es gern super ordentlich. Ich schaffe das nicht immer, aber das macht mich dann total unruhig. Und ich mag es nicht, wenn Menschen dann sagen: „Ach, Ordnung ist überbewertet.“ Nein, ist es nicht. Ich brauche das für meinen Seelenfrieden und ich glaube, das ist eine Sache, die mich im Leben mit den Kindern extrem fordert, weil da immer irgendwo was rumliegt was wo nicht hingehört. Und fragt nicht was das Thema Putzen für kleine süße Macken parat hat…

So, ich höre jetzt mal auf. Ich hab keine Ahnung, ob das alles nur kleine süße Macken sind (hab ich von den Wäscheklammern erzählt, die in einer Riehe auf dem Wäscheständer imm dieselbe Farbe haben müssen???) oder ob das was mit dem breiten Autismussprektrum zu tun hat. Und ich würde da gern einfach mal mit wem drüber reden und nicht wieder hunderte von Euro in eine Testung stecken. Naja, vielleicht denke ich einfach noch eine Weile darüber nach. Und vielleicht verliert sich das auch wieder in meinem kleinen großen wirren Kopf.

Es regnet. Hurra!

Schreibe einen Kommentar