Das Töchterchen hat sich überlegt eine Zeitkapsel zu gestalten. Irgendwann diese Woche kam sie mit der Idee um die Ecke und setzte sich sogleich hin und schrieb einen Brief an sich selbst über ihr derzeitiges Leben, den sie dann in sieben Jahren lesen will.
Sie hat eine Box rausgekramt, in die sie Fotos gelegt hat, den (seitenlangen) Brief, ein paar persönliche Dinge. Und gestern schrieb der Jüngste dann auch einen Brief. Heute habe ich mich überwunden das auch zu tun. Ich weiß nicht, warum mir das so schwer fällt. Aber einen Brief an mich selbst zu schreiben ist eine Aufgabe, die sich so unschaffbar anfühlt wie eine viel zu hohe Mauer zu überwinden. Also hab ich erstmal eine Weile nachgedacht, was es ist, was mich dabei so bremst. Und ich glaube es ist einfach die Tatsache, dass ich gerade so dermaßen unzufrieden bin mit mir selbst. Ich will darüber nicht schreiben und vor allem habe ich irgendwie innerlich wenig Hoffnung, dass sich das in sieben Jahren geändert hat. Was wiederum eine unfassbar traurige Vorstellung ist. So gern möchte ich, dass ich in sieben Jahren sagen kann, dass ich glücklich bin. Erfüllt im Job. Einen veröffentlichten Roman (oder drei?). In einer glücklichen Beziehung. Eigentlich sind das keine übergroßen Wünsche, aber ich glaube das Problem ist, dass ich die schon so lange mit mir herumtrage, dass ich es selbst leid bin sie auszusprechen oder über sie nachzudenken. Das Wort „Selbstscham“ kam in meinem Brief an mich selbst vor. Ich habe ihn dennoch zu Ende geschrieben und verpackt, in die Kiste gelegt. Und ich wünsche mir wirklich sehr, dass ich in einer besseren Verfassung bin, wenn ich denn mal lese. Wenn…
Und weil mich das alles wieder so schwermütig hat werden lassen, habe ich das Internet befragt nach den üblichen Seiten über Depressionen. Da gibt es ja so Selbsttests. Eigentlich ein Witz, dass man ein paar Fragen beantwortet und dann eine Antwort erhält. Und irgendwie auch sinnlos, weil ich ahnte, was das Ergebnis sein wird. Mittelgradig bis schwer. Auch das sinnlos, weil ich weiß, dass es vorüberziehen wird. Und irgendwie niedlich, wie ich nach jeder dieser Phasen denke, dass es geschafft ist und das nächste Mal wieder große Augen mache, wenn sie wieder da ist, die Depression.
Auf Instagram habe ich heute passend wieder in den Kanal von Katharinahandmade reingeschaut. Sie macht die wundervollste und zauberhafteste Miniaturkunst. Und sie hat unlängst diese eine Figur mit Wolkenkopf gebaut und über ihre Depression erzählt.

Diese Frau lebt das scheinbar perfekte Leben, hat ihre Leidenschaft zum (erfolgreichen) Beruf gemacht und dennoch überkommt auch sie immer wieder diese dunkle Zeit. Also vielleicht ist es gar nicht so sinnvoll darauf zu warten, dass ich mal irgendwas „fertig“ bringe im Leben. Vielleicht ist dann immernoch alles so, wie es ist. Mal laut, mal leise, mal lustig, mal trübe. Aber am Ende bin ich halt zumindest immer ich selbst. Und dieses Ich, das sollte ich wohl endlich einfach akzeptieren und lieb haben. Weil ich immer nur warte, dass jemand anderer kommt, der es lieb hat. Das kann doch gar nicht gut gehen.
Und wie Katharina auch in ihrem Video sagt: ich will damit kein Mitleid generieren oder zeigen wie schlecht es mir geht. Sondern vielmehr offen über etwas reden, was so viele Menschen da draußen allein und einsam mit sich herumtragen. Mir hilft es immer zu sehen, dass ich nicht allein damit bin. Auch wenn ich es keinem wünsche. Man glaubt zu schnell, dass alle anderen um einen herum glücklich und zufrieden sind und nur man selbst allein, traurig und verwolkt. Aber das ist gar nicht so.
Und jetzt den Kopf wieder aus der Wolke ziehen. Die Tochter hat Lesenacht in der Schule (wobei lesen dabei eine sehr sehr untergeordnete Rolle spielen wird haha). Und ich mache es mir jetzt mit dem Jüngsten auf dem Sofa gemütlich. Das hilft immer ganz besonders viel. Seid gut zu Euch und seid sanft mit Euch und Euren Liebsten. ❤️
(P.S.: Ich schwöre, das ich die Wolke auf dem Briefumschlag erst gecheckt habe, als ich das Foto hier für den Beitrag hochgeladen hab. Den Brief hatte ich schon fertig, als ich das Video von Katharina entdeckt hatte)