Wirre Träume werfen mich morgens in diesen Sonntag hinein und sagen: „Hier, mach was du willst damit.“ Und ich will gar nichts. Aber ich habe mich für eine Online Yoga-Stunde bei einer Freundin angemeldet und muss bis dahin dringend einen Kaffee und ein paar Seiten Lesen unterbringen. Denn das ist mein Alleinsein-Wochenendritual, Kaffee und Buch im Bett. Und heute ist meine letzte Chance, denn morgen geht es zurück ins Nest.
Ich lese alle paar Monate einen Liebesroman. Ja genau, eine cheesy Romcom, weil ich im Leben keine cheesy Romance habe, mich da aber gern hinträume. Meine favourite go-to Romance Autorin ist Emily Henry. Ihre Bücher haben immer nicht nur eine gute Storyline (man merkt bei ihr das gelernte Handwerk), sie schreibt auch so unglaublich witzig, dass ich zuweilen laut auflache oder sogar mal in einen tränenreichen Lachanfall kippe. Für eine Romance-Autorin ist das extrem viel wert denn ja, da draußen gibt es unglaublich viel Mist in diesem Genre. (Und das wird alles verlegt, verdammt nochmal!!)
Also gab es heute Emily Henry und Kaffee zum Aufwachen. Aber während ich der Geschichte folgte und das ja nun nicht nur mit den Augen einer Leserin, sondern auch mit den Augen einer Autorin mache, kam mir nur immer wieder diese eine Erkenntnis in den Weg: Du kannst das einfach nicht so gut. Es war keine Erkenntnis aus dem Hinterhalt, keine, die mir im Dunkeln auflauerte. Es war die, die man schon von weitem kommen sieht, erst etwas unscharf, aber je mehr man sich ihr nähert, umso deutlicher wird sie. Und dennoch hält man mit dem Steuer genau darauf zu und kracht dann volle Hütte in sie hinein: „Du kannst das einfach nicht.“ Das „so gut“ schon unterwegs abgefallen wie ein rostiger Auspuff.
Es ist nicht so, dass ich daran zweifle, dass ich Schreiben kann. Aber das mit den Romanen… es wird einfach nichts. Ich scheitere an den immer gleichen Stellen. Und deshalb fühlt sich keiner richtig rund an. Nicht der fertige und nicht die anderen, die zu 30% oder 50% fertigen. Vielleicht, weil ich das einfach nicht kann. Romane. Handlungen halten, steigern, abfallen lassen. Wendepunkte schaffen, die stark genug sind. Figuren, die deutlich sind. Die leben. Eine Backstory haben. Ein Want. Ein Need. Eine Transformation erleben, die nachvollziehbar ist. So vieles, auf das es zu achten gilt. Und je mehr ich in eine Richtung denke, habe ich das Gefühl eine andere zu vernachlässigen. ich denke zu viel. Vermutlich.
Und dann kommen die Tränen. Weil so viel Energie investiert ist. Weil das ein Lebenstraum ist. Weil ich das so unbedingt will. Und weil ich nicht weiß, was ich sonst will. Und weil doch sonst alles grad eher so grau und trüb ist, nur das Schreiben mein Halt, mein Lebensinhalt sein will. Weil ich gern schreibe. Es liebe. Aber das viele Darübernachdenken es immer und immer wieder ruiniert.
Mit diesem schweren Kopf gehe ich dann in die Yoga Stunde, die zum Glück nur Restorative Yoga ist, was bedeutet, dass ich die meiste Zeit in unfassbar entspannter Haltung über gefühlt 327 Pölster gebogen liege und atme. Es tut gut, aber es führt dazu, dass ich mich hinterher fühle, als wäre der Sonntag bereits viel älter als er ist. Draußen ist Regen, da ist auch nichts zu machen. Also von der Yogamatte mit Frühstück / Mittagessen aufs Sofa und weiter mit Emily Henry. Heulen, weil Romance-hach. Lachen, weil ihre Charaktere so sind, wie sie sind. Und dazwischen verdrängen, dass ich das auch gern alles… Aber ich lasse es für heute gut sein. Betrachte den Buddha. Meditiere. Versuche innerlich zur Ruhe zu kommen. Zurück aufs Sofa, Cookies und ein schuldbewusster Blick auf den Koffer, den ich die ganze Woche nicht ausgeräumt habe und den ich für morgen packen muss. Vorfreude auf die Kinder. Das Wissen, dass sie mich eine Woche ablenken von meiner eigenen Misere. Und dass ich dieser dann nächste Woche wieder begegnen werde. Dazwischen Nachrichten bezüglich des Kindergeburtstages, der diese Woche ansteht. Noch mehr Ablenkung. Wie gut.
Und irgendwo dazwischen die Hoffnung, dass ich das doch schaffe mit dem Roman. Oder irgendwas anderem. Irgendwie. Irgendwann. Eher bald.
Ich glaube ja, dass dieses Zweifeln dazugehört und es sogar Emily Henry ganz genauso ging ….
ja, vermutlich. und eigentlich weiß ich das ja. Aber an manchen Tagen fallen sie über mich her, diese Zweifel…
Das kenne auch ich gut …