Jetzt muss ich es wohl zugeben. Ich habe mich zur Plotterin entwickelt. Das Drauflosschreiben ist großartig, es macht Spaß und es ist aufregend nicht zu wissen, wo man landet. Aber einen Roman kriege ich auf diese Art nicht zustande.
Der Preis für meine Erkenntnis? Der nun wohl vierte oder fünfte Anlauf für meinen Roman. Nach einer kompletten Überarbeitung des Plots und aller Wendepunkte, des Hauptthemas und der Entwicklung der Hauptfiguren musste ich unter viel Gejammer noch einmal ganz von vorn beginnen.
Die Belohnung? Ein Anfang, der mich selbst begeistert. Eine Idee, die eines Morgens hier im Wohnzimmer lag. Und viel viel mehr Schreiblust.
Fast zwanzigtausend Wörter habe ich in den letzten 3 Wochen geschrieben. Das sind ca. 20% des gesamten Romans. Würde ich in dem Tempo weiterschreiben, wäre ich in absehbarer Zeit fertig. Aber natürlich gibt es an der Stelle ein fettes ABER. Weil es sich eben nicht immer so fluffig dahinschreibt. Ein Anfangsbild ist schnell geschrieben. Weil es natürlich Spaß macht die Leser:innen gleich mal voll ins Boot zu holen und zu überlegen, wie das gelingen kann. Und auch der Inciting Incident macht Spaß, weil er die ganze Story ja erst in Fahrt bringt. Aber dann. Aber dann…
Der zweite Akt. Da, wo eigentlich die ganze Handlung so stattfindet, bevor alles nach der großen Krise im dritten Akt knallt und zum Ende führt. Der zweite Akt ist der Hauptteil und es zieht sich. Man muss neue Figuren vorstellen, man muss Konflikte aufrollen und die Figur in die Krise hineinschreiben. Und hier darf man sich einfach nicht verfransen. Man darf nicht vom Weg abkommen und muss immer wieder fragen: rennt meine Figur noch immer ihrem Want hinterher?
Ich hänge jetzt also im zweiten Akt und ja, es geht nicht mehr ganz so fluffig dahin. Wenn ich mein Ziel schaffen will dass Weihnachten hier ein Shitty first draft herumliegt, dann brauche ich dafür ca. 450 Wörter pro Tag. Eigentlich keine Hexerei. Aber das heißt auch: stetig dranbleiben. Nicht vom Weg abkommen, Spannung halten, die Krise im Blick haben.
Zum Glück gibts die Schreibbuddies. Die selbst das gleiche Ziel haben, die sich auch mal verfransen und verzweifeln und dann wieder hochmotiviert ihren Fortschritt teilen. Ich weiß nicht, wo ich ohne ihnen wäre. Und zum Glück gibt es den Plot. Der Halt gibt. Struktur. Ein Gerüst, an dem man sich festklammern kann.
Und weiter gehts. Und wer sich fragt, was zum Geier ich eigentlich schreibe. Hier ist die Kurzfassung:
Zwischen Särgen und Trauerfeiern das Leben wiederentdecken und erkennen, dass man niemanden retten kann, außer sich selbst.
Na dann, let’s go! Weihnachten ist ja gleich.