Einen Roman schreiben #6 – Protagonist männlich

Vor kurzem habe ich ein neues Romanprojekt begonnen. Nachdem das alte Projekt bisher bei keiner Agentur landen konnte und ich ehrlich gesagt bisher nicht den langen Atem habe, den es braucht dafür, ich mich immer mehr in Details und Fragen verstrickt habe, habe ich beschlossen das Ganze einmal nach einer wirklich wilden und aufregenden Arbeitsphase ruhen zu lassen.

Jetzt habe ich neu geplottet, neu recherchiert und neu begonnen. Das war Überwindung sich wieder bei einer Wortzahl von Null hinzusetzen und zu sagen: Auf Los! Aber mittlerweile sind es 14.000 Wörter, also ca. 40 Seiten und das kann sich ja schon wieder sehen lassen.

Das richtig spannende an dem neuen Projekt und für mich komplettes Neuland ist, dass der Protagonist ein junger Mann ist. Ich hab das immer ein bisschen skeptisch betrachtet, wenn männliche Autoren weibliche Protagonistinnen hatten. Und natürlich habe ich kurz (also so 1-2 Minuten) nachgedacht, ob die Hauptfigur nicht weiblich sein könnte. Theoretisch könnte sie das. Aber ich glaube, dass das Thema viel stärker sichtbar und der Konflikt deutlicher wird, wenn es ein Mann ist. Also begebe ich mich jetzt auf eine spannende Reise: ich muss mich in einen Mann hineinversetzen. Das bedeutet: immer wieder hinterfragen: Wie reagiert ein Mann in so einer Situation? Was empfindet ein Mann jetzt? Und ja, natürlich gibt es solche und solche Männer (und solche erst!). Aber dennoch ist mir klar, dass es da wirklich Unterschiede gibt zwischen Mann und Frau in emotionalen Bereichen, in der Kommunikation, Gedankengängen… Vielleicht ist es genau das, was es für mich jetzt besonders reizvoll macht. Weil ich so noch weiter von mir weg komme. Und tatsächlich ist das endlich mal ein Buchprojekt, dass wirklich weit weit von mir selbst weg ist. Wo ich in ganz andere Welten eintauche. Ich glaube genau darauf habe ich im Moment so richtig Bock. Denn mein Leben ist wirklich grad sowas von überhaupt nicht erzählenswert. Und ich hab es so satt meine eigenen Emotionen und Gedanken da reinzupacken in meine Bücher. Obwohl es sowieso schon wieder kurze Szenen gab, wo ich dachte: Ach guck, jetzt hast wieder Deine Gedanken eingebaut, ohne dass du es wolltest. Und dann spielt das ganze in einer Plattensiedlung. Auch das hat sich einfach so ergeben, wie sich immer so vieles einfach so ergibt. Also so ganz ganz ganz weg von mir komme ich sowieso nicht. Haha.

Ein spannendes Projekt. Die Recherche dazu zieht mir manchmal den Boden unter den Füßen weg, kann mich wirklich richtig aus der Bahn werfen. Aber das gehört dazu, denn das Buch, das soll das ja auch irgendwie können.

Na dann mal los. Täglich 1000 Wörter, dann steht Ostern der Shitty First Draft. Ambitioniert? Sicher. Machbar? Sicher. Und schließlich brauche ich ein bisschen von der männlichen „Einfach machen“ Einstellung, die uns Frauen so oft fehlt. Let’s goooo.

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