Fragen

Heute habe ich mich – wie so oft in den letzten Monaten – wieder auf Bestattungsseiten herumgetrieben und mir die Jobausschreibungen angesehen. Mich reizt das seit einiger Zeit schon, aber natürlich habe ich auch großen Respekt vor dem Job und bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt wirklich kann. Also können schon. Aber aushalten.

Jedenfalls fand ich zwei interessante Ausschreibungen. Das eine war Kommunikationsmanagement, was ich besonders spannend finde. Da hat man einerseits den Fuß in einem hochinteressanten Arbeitsumfeld, andererseits nicht direkt mit Bestattungen und Toten zu tun. Aber da hatte ich die Anforderungen nicht, hab ja kein Kommunikationsdingens studiert und überhaupt wenig Erfahrung mit Social Media content creation pipapo. Das andere war Auftragsmanagement, da koordiniert man eher die zuständigen Personen und Zeiten und dass am Ende die richtigen Toten am richtigen Ort landen. Grob gesagt. Das war schon eher interessant und sicherlich machbar, aber was hier abschreckte, war das Gehalt. Denn da verdient man im Kommunikationsmanagement mal eben €1000 mehr als im Auftragsmanagement. Vom Bestattergehalt, was ich mir ja auch schon oft angesehen habe, ganz zu schweigen.

Da habe ich Fragen. Viele Fragen. Vor allem eben jene, warum in unserer Gesellschaft die Jobs, die direkt mit Menschen zu tun haben, weniger bezahlt sind als die, in denen man um die Menschen herum arbeitet. Das geht nicht in meinen Kopf. Da haben wir gewaltig was falsch am Laufen, finde ich. So ein Bestatter verdient weniger als ich. Und ich schreibe hauptsächlich Emails und koordiniere Zeug. Ein Bestatter begegnet Trauernden, muss mit Leichen hantieren, Trauerfeiern organisieren und abhalten. Das ist am Ende des Tages doch so viel herausfordernder als mein popliger Uni-Admin-Job.

Naja, jedenfalls habe ich mich weder da noch da beworben. Letztendlich habe ich mich bei dem Unternehmen auch schon zweimal beworben und es nicht mal bis zum Vorstellungsgespräch geschafft. Das Universum hat da was gegen mich. Oder gegen diese Berufswahl. Oder die fanden mich doof. Wer weiß das schon.

Da ist es ja gut, dass ich im Moment wieder mal der Meinung bin, dass ich überhaupt einen ganz coolen Job habe. Vor einigen Monaten wollte ich noch davonlaufen, im Moment nicht mehr so sehr. Im Moment gehe ich sogar ganz gern arbeiten, auch wenn ich da manchmal das Gefühl habe in einem Kindergarten gelandet zu sein. Wie so manche Professoren (bewusst kein gendern hier… es sind wirklich hauptsächlich eben diese…) da hingekommen sind, wo sie sind und noch immer am Leben sind und dieses doch irgendwie… ich weiß es nicht. Auch hier… viele Fragen. Aber zum Glück kann ich am Ende des Tages ja nach Hause gehen und muss mit ihnen nichts zu tun haben. Und ich möchte auch niemals nie wieder mehr mit einem Physiker zu tun haben als in der Arbeit. Hast du das gehört, Universum? Danke.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. amberlight

    Da sprichst du ein wichtiges Thema an … auch ich habe manchmal das Gefühl, dass die Berufe, je besser bezahlt, um so entspannter sind und wie ungerecht das eigentlich ist.

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