Es ist schon verrückt, wie das Leben immer so seine Bahnen fährt. Und einen immer wieder aus eben diesen schleudert. Eben saß ich noch in so einem coolen Wagen, die Fensterscheiben runter, gute Musik auf den Boxen fuhr ich der Sonne entgegen. Aber plötzlich schiebe ich ein Fahrrad mit platten Reifen.
Ganz langsam schleichen sich wieder negative Gedanken an. Erzählen von“es ändert sich doch eh nichts“ und fragen „Wie soll das denn bitte funktionieren, bisher hat doch nichts funktioniert.“ Und ich finde keine Antworten. Zucke mit den Schultern und versuche armwedelnd nicht unterzugehen.
Die meiste Zeit schaue ich zu, wie so ein Tier vorm Spiegel betrachte ich mich, laufe unruhig auf und ab. Weiß nicht, was ich machen soll in diesem Gehege, finde keinen Ausweg.
Dann kommen diese neuen, derzeit so präsenten Gedanken von „Nicht jammern, nicht dem Negativen nachsteigen!“ in den Fokus. Aber so einfach geht das nicht. Denn worauf ich keinen Bock habe ist diese toxic positivity. Wo man einfach alles, was einem in den Weg kommt, umkehrt und lächelt. Das fliegt einem doch irgendwann nur noch mehr um die Ohren.
Jetzt heißt es also langsam weiterwandern auf dem schmalen Grat zwischen Abstürzen oder Abkürzung stur der Sonne entgegen. Die Löcher im Reifen flicken und Luft aufpumpen. Aufsteigen und weitertreten. Denn eines ist klar, wenn gleich die erste Brise einen umhaut und zurückwirft auf die Bahn von vorgestern, dann wird sich tatsächlich nie etwas ändern.
Was vor allem dazu gebraucht wird ist Geduld. Und davon habe ich bekanntlich nur einen Teelöffel abbekommen, als die verteilt wurde. Während man die in manche Menschen mit der Gießkanne geschüttet hat, stand ich am Ende der Warteschlange und da war nunmal nicht mehr viel übrig. Es ist auch so witzig, dass einem keiner sagt, wie man die übt und trainiert. Da reden alle von Dankbarkeit, vom Visualisieren, von guten Glaubenssätzen. Aber wie man das mit der Geduld regelt, wenn man wie ein ADHS-Duracell-Bunny durch die Welt hüpft, das sagt einem keiner. Ich fürchte ja es hat was mit Stille und Meditation zu tun. Heute früh, als ich mit meinem Kaffee im Wohnzimmer saß und meine Guides fragte, was sie mir raten, war ja genau das die Antwort: Stille. Weil ich mich schon wieder dauernd ablenken lasse. In jede Idee reinfalle als würde sie mit gold überzogen sein.
Wie gut, dass es spät ist. Die Stille kommt mit der Dunkelheit von ganz allein. Und morgen fangen wie nochmal von vorn an und schauen erstmal, wie die Lage der Nation ist.
In diesem Sinne – Gute Nacht!