Heute früh, als ich mal wieder den Weg zu Fuß durch den Prater in die Arbeit ging, kam mir tatsächlich so ein wohliger Gedanke, der sagte: Wieder einmal geschafft. Der Winter ist überstanden, zumindest die schlimmste Phase. Das ewig neblige Grau gepaart mit Feuchtigkeit in der Luft, tagelanger Sonnenabstinenz. Das endlose Anziehen von Pullovern und Schals, Mützen, Handschuhen. Geschafft.
Klar, der Frühling ist wunderschön, wenn es endlich wieder wärmer wird, man Schicht für Schicht zu Hause lassen kann und auch selbst das Gefühl hat wieder zum Leben zu erwachen. Auch meine Winterdepression scheint großteils überstanden. So hoffe ich.
Aber dann musste ich über mich selbst den Kopf schütteln. Denn in absehbarer Zeit schnellen die Temperaturen nach oben und der Sommer kommt. Mein Alptraum. Dagegen ist jeder Winterpulli ein zufrieden schnurrendes Haustier. Im Sommer werde ich oft auch depressiv, zuweilen aggressiv. Das macht die Hitze und ich warte dann immer erst sehnsüchtig auf meinen Geburtstag, dann auf den Schulanfang und auf die ersten kühlen Nächte. Auch dann denke ich immer wieder: Geschafft.
Und wenn Weihnachten vorbei ist, die Rauhnächte mich zur Ruhe kommen lassen, denke ich: Ach, wieder ein Jahr geschafft.
Mein Leben scheint nur aus einzelnen „Geschaffts“ zu bestehen. Was irgendwie auch traurig ist. Es wäre schön, wenn sich da mal wieder ein echtes Geschafft gesellen würde. Etwas, was man nicht froh ist hinter sich zu lassen, sondern auf das man stolz ist. Oder zumindest erfreut. Und bis heute war mir nicht bewusst, dass es überhaupt zwei „Geschaffts“ gibt. Hm.
Wieder mal sehr spannende Gedanken!
Ich glaube, ich mag mittlerweile den Spätsommer mit Aussicht auf den Herbst am liebsten
Ich mag die Jahreszeiten, wobei ich den Sommer bei ewiger Hitze nicht gut vertrage .
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