Morgen wird der Jüngste 10. Und während ich sonst an den Geburtstagen und den Abenden davor nochmal so in die Geburten hineinversetzt wurde gedanklich, spielen die irgendwie keine große Rolle mehr. Ich kann mich natürlich noch an jede einzelne gut erinnern, aber sie ist nicht mehr so sehr präsent in meinem Kopf. Es sind mehr Bilder, aber keine Filme mehr, die da vor meinem Auge ablaufen. Und irgendwie ist das auch gut so.
Dennoch habe ich mir wieder ein paar Fotos angeschaut. Die letzten Tage hochschwanger. Zum letzten Mal hochschwanger. Und statt auf den Bauch zu schauen, habe ich mich dabei selbst betrachtet. Mein Gesicht. Mein Blick. Die Frau, die ich damals war. Ich wirke da noch immer sehr mädchenhaft. Jung und unsicher. Und in Wahrheit war ich das damals auch noch sehr.
Ich war damals definiert über meine Rolle als Mutter. Ich habe hier den Haushalt geschmissen und nebenbei meinen Blog betrieben. Aber das eigentliche Leben, das hat der Exmann damals hier geschupft. Das Geld verdient. Dinge gecheckt. Urlaube organisiert. Ich bin mehr und mehr in mein Mama-Burnout abgetaucht. Vor allem nach der Geburt vom Jüngsten dann.
So richtig gewachsen bin ich erst nach der Scheidung. Auch heute noch betrachte ich das wie einen Befreiungsschlag. Nicht vom Exmann an sich, sondern von der Rolle, in der ich damals gefangen war. Von der unsicheren Person, die ich war. Ich weiß noch, wie mich die ersten Urlaube allein mit den Kindern gestresst haben. Wie ich mich gefeiert habe, weil ich den verstopften Abfluss allein repariert habe. Die Wohnungssanierung, wo ich mit 3 Kindern, 4 Vögeln und allem Sack und Pack für fünf Wochen in eine andere Wohnung gezogen bin, damit die hier saniert werden konnte. Der Job, der zwar nicht der Anspruchsvollste und Aufregendste ist, aber in dem ich auch wachse und mit den Stunden mehr und mehr raufgegangen bin. Wo ich jetzt Dinge anspreche, die mir nicht passen und ich mir Dinge überlege, wie man so manches anders oder besser machen könnte. Ich bin mir nicht sicher, ob die Frau auf dem Foto das damals so gemacht hätte. Auch die neue kleine Wohnung, meine erste eigene Wohnung, hat mich anfangs gestresst. Was muss ich da beachten, worum muss ich mich kümmern? Das sind alles Dinge, um die sich einst ein Mann gekümmert hat. Und ich merke, wie schnell wir Frauen uns da auf die Männer verlassen. Uns dann ausruhen, dass die in ihrer Rolle als Checker aufgehen. Da will ich nie wieder hin. Selbst wenn ich wieder mal in einer Beziehung sein werde, dann will ich meinen Freiraum und mich selbst um mich, meine Kinder und meine Finanzen kümmern. Weil ich auch ein bisschen stolz drauf bin, was ich für mich geschafft habe. Ha, da ist es – das andere „geschafft“!
Vielleicht bin ich auch ein bisschen entspannter geworden. Das bleibt wohl nicht aus, das macht ja angeblich auch das Alter. Da hat mir aber auch die Hypnoseausbildung geholfen. Mich nicht mehr mit all den negativen Dingen zu befassen. (Okay, im Supermarkt übe ich das noch…) Mich nicht mehr aufzuregen, über Dinge (und Menschen), die ich nicht ändern kann. Mich auf das zu fokussieren, was irgendwie möglich ist. Da gibt es noch Baustellen. Und klar, viel Luft nach oben, in so einem Leben. Aber das wird wohl immer so sein und das ist gut so.
Aber wenn der Jüngste morgen seinen zehnten Geburtstag feiert, dann feiere ich mich mit ihm mit. Feiere die Frau, die ich geworden bin. Prost!
Glückwunsch dem Sohn und dir. Du hast so sehr recht mit deinen Gedanken. Auch bei uns gibts tatsächlich viele Themen, die nur der Mann übernimmt und von denen ich kaum Ahnung habe ..
Danke Dir!
Und ja, ich glaube das schleicht sich einfach so schnell ein mit der Aufteilung und solange alles gut geht, fällt das gar nicht so sehr auf. Ich bin heute einfach froh, dass ich mich viel selbst kümmern kann, hatte ja ne zeitlang das Gefühl, dass ich das nicht mal kann.