Gewitterglück

Heute mal wieder Zentralfriedhof. Das war ein guter Ausgleich zum gestrigen Event. Da fand nämlich „The Daily Mile“ statt, eine Art Kinderlauf als Vorevent zum heutigen Vienna City Marathon. Und der Jüngste hatte sich mit der Schule dort angemeldet.

Und natürlich geht man da hin um dabei zu sein als Mama. Er war auch ganz aufgeregt, als er dann endlich die Startnummer auf dem T-Shirt hatte und rundherum Kinder, die schon gelaufen waren, mit Medaillen herumrannten. Solche Events sind aber auch der absolute Wahnsinn. Ich bin schon überfordert, wenn ich den Treffpunkt der Schule suche. Da rennt laute Musik, hunderte von Leuten, naja vermutlich tausende, ich weiß es nicht. Alle paar Minuten die Ansage welcher Startblock jetzt dran ist. Wo die Kinder in die Startschleuse müssen, wo sie langlaufen. Den Haufen der 13 Kinder, die die 1600m Strecke laufen wollten zusammenhalten. Unterhaltung nur über Anbrüllen, wegen eben der lauten Musik. Aufregung an jeder Ecke. Naja, das Kind war natürlich stolz und ich konnte ja danach auch wieder davon in meine eigene Welt. Ich bin noch ein bisschen durch Wien spaziert, die Sonne schien, es war so warm… Das Leben schön.

Heute wusste ich schon, dass ich eher ein ruhigeres Programm brauchte. Der Zentralfriedhof also das perfekte Ziel, auch wenn da am Sonntag viele Touristen sind, zumindest sind sie halbwegs leise. Der Wetterbericht hatte was von Gewitter um 12Uhr erwähnt, aber als ich mich gegen 13Uhr auf den Weg machte, war davon nix zu sehen. Im Gegenteil, als ich auf dem Friedhof ankam, ärgerte ich mich wieder, dass meine Sonnenbrille in der Kinderwohnung lag. Aber ich gewöhnte mich an die Sonne und genoss die Stille und Weite, die dieser Friedhof einfach immer ausstrahlt. Heute ging ich mal wieder bei Falco vorbei, dann über den Waldfriedhof.

Erst dann bemerkte ich die grauen Wolken am Himmel. Das Gewitter war also doch im Anmarsch. Dennoch war es so angenehm warm und ruhig. Und diese Vorgewitterstimmung in der Luft. Ich liebe das. Genau in diesem Moment blieb ich stehen, schaute mich um. Betrachtete die Kirche, die wie immer stolz und prächtig über allem zu thronen schien. Wie schön alles aussah. Und das war der Moment in dem ich dachte: Alles ist so schön. Mein Leben ist so schön. Ich bin glücklich.

Der Gedanke überraschte mich. Vor kurzem noch schwamm ich im Tal der Traurigkeit. Aber ich ließ ihn zu. Fühlte das Glück, die Freude, die Schönheit um mich herum. Das ist es wohl, dachte ich dann. „Happiness is a choice“. Und ich hatte mich heute offensichtlich dafür entschieden. Auch das nahende und immer näherkommende Gewitter konnten dem nichts anhaben. Ich stresste mich nicht.

Screenshot

Die Straßenbahn kam, ich stieg ein und schon krachte der Regen herunter. Auch das stresste mich nicht. Vor mir lag dann noch eine lange U-Bahn Fahrt, danach würde der Regen vorübergezogen sein. Und so war es dann auch. Zufrieden lächelnd ging ich nach Hause. Da warteten schon wieder Ideen für neue Bilder auf mich. Derzeit bin ich nahezu süchtig danach zu zeichnen. Nebenbei hörte ich Podcasts. Zwischendurch räumte ich die Wohnung auf, denn morgen geht es ja wieder zurück zu meinen Nasen.

Wie schön das Leben doch ist.


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