I don’t belong here

So here we are. Back in Vienna. Zu Hause, wie es die Kinder nennen.

Wir haben Geysire gesehen. Die schönsten Wasserfälle zum Sonnenuntergang, bei strahlendem Sonnenschein, mit und ohne Regenbogen. Gletscher bestaunt. Die Hände in schwarzem Sand vergraben. Dem wilden Meer zugeschaut. Wir sind auf Islandpferden geritten und bei Nieselregen in der warmen Lagune geschwommen. Wir hatten uns sogar daran gewöhnt, dass es nie wirklich dunkel wurde. Am Ende konnten wir damit problemlos einschlafen.

Als wir Montag Früh um 6Uhr morgens in Wien landeten, das Flugzeug verließen und aufs Gepäck warteten, sah ich die großen Werbeplakate für Wien. Für irgendwelche Museen, Touren, Sightseeing stuff. Und da hat es mich irgendwie erschlagen. Nur ein einziger Gedanke: I don’t belong here.

Das war wie das realisieren, dass man in den Partner nicht mehr verliebt ist. Dass es nur noch einen Weg gibt: die Trennung. Es liegt auch nicht an Wien. Ich weiß, dass Wien schön ist. Dass es viel bietet. Dass es lebenswert ist, so wie es auch immer gesagt wird. Es hat die herrlich unfreundlichen Kellner. Das Gesuder. Viel Kultur und dennoch so viel Grün. Es hat die Donau mit der Insel und überhaupt. Ja, Wien ist toll. Aber Wien ist nicht für mich. Wien ist groß. Riesengroß. Es ist laut. Es ist heiß. Im Winter grau ohne echter Kälte oder Schnee. Wien überfordert mich.

Natürlich war die Realisierung so stark, weil wir grad aus Island kamen. Einem Land, in dem pro Quadratkilometer 4 Menschen leben, gerade mal 400.000 in Summe im ganzen Land verstreut. Und obwohl es von Touristen überrannt wird, ist dort diese endlose Ruhe, Stille, Weite. Und nein, es ist nicht nur eine momentane Überforderung. Es war so eine Erkenntnis: Da gehöre ich hin. Das ist es, was ich zum Leben brauche. Wien brauche ich nicht. Wien braucht mich nicht. I don’t belong here.

Natürlich kann ich nicht meine Sachen packen und auswandern. Ich hab drei Kinder. Noch brauchen sie mich. Und ich sie. Aber irgendwann… Ich hab immer gewusst, dass ich in Wien nicht alt werden kann. Und ob es Island wird, doch wieder Schottland, Norwegen vielleicht… Wer weiß das schon. Aber ich erinnere mich noch, wie sie in Schottland immer gefragt haben: „Why Scotland? It’s so rainy!“ und ich nur geantwortet habe: „That’s why.“ Schottland haben wir verlassen, weil ich dort keine Kinder großziehen wollte. Und weil wir es irgendwie satt hatten. Weil ich wieder mal davonlaufen wollte, neu starten. Und ich will gar nicht sagen, dass die Entscheidung schlecht war. Wien war gut zu uns, wir hatten es gut hier. Haben es gut. Das will ich gar nicht abstreiten.

Aber so sehr, wie es mich immer wieder in den Norden zieht, da spüre ich, dass ich dort einfach hingehöre. Wo auch immer es dann sein wird. Wer weiß das schon.

Und heute der erste Arbeitstag. Das Betreten des Büros und wieder diese Melodie im Kopf

What the hell am I doing here?
I don’t belong here.

She’s running out the door.
She’s running out.
She run, run, run, run.

Well. I didn’t run. Not now.

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