Das ist schon alles sehr seltsam. Zwei Wochen Island. Dann kommt man mit den Kindern in die Kinderwohnung, verjetlagt, übermüdet, verbringt dort eine Nacht und düst direkt ins Büro. Vom Büro in die Nichtkinderwohnung, wo ich die Woche über blieb. Heute sind die Kinder mit dem Papa nach Kroatien gefahren und ich bin in die kinderfreie Kinderwohnung übersiedelt. Wer soll da noch wissen, wo er hingehört und wo zu Hause ist?
Tatsächlich fühle ich mich heute etwas weltfremd. Ich habe in der Früh meine kleine Höhle aufgeräumt und sie hübsch verdunkelt und die Blumen übergossen zurückgelassen. Kehrte dann mit meinem kleinen Köfferchen in diese ebenso verlassene Wohnung hier zurück. Weil es hier kühler ist, weil es hier einen Balkon gibt, auf dem ich aber in Wahrheit selten sitze. Weil er ungemütlich ist und dringend Umräumung braucht. Ob ich dazu Nerven habe diese Woche, weiß ich nicht.
Vor einem Jahr noch war es normal, dass ich jedes zweite Wochenende hier allein war in der Wohnung. Ich hatte meinen Rhythmus, hab sie schön aufgeräumt meist, die Stille genossen. Kannte den Kühlschrankinhalt und fand mich zurecht. In letzter Zeit fühle ich mich fremd hier. Vorhin kam mir sogar das Wort „verstoßen“ in den Kopf. Ja, so fühle ich mich ein bisschen. Hab ich doch nach der Trennung die Wohnung komplett saniert, über die Jahre alles nach meinem Sinn hergerichtet. Und jetzt bin ich irgendwie nur noch Gast hier. Das fühlt sich im Moment seltsam an. Es liegt vielleicht wirklich am vorangegangenen Urlaub, denn auch in der anderen Wohnung war ich nicht ganz „anwesend“.
Also hab ich mich heute erst einmal eingelebt. War einkaufen, habe mir etwas gekocht. Das Sofa plattgelegen, die Yogamatte ausgerollt. Ich hab den Vogelkäfig etwas nach links, den Sessel etwas nach rechts verschoben. Und wenn ich morgen aufwache, bin ich vielleicht wieder ein Stück mehr zu Hause. Was auch immer das ist. Wo auch immer das in Wahrheit ist. Heute weiß ich es nicht.