Heut will ich mal über ein Problem reden, von dem ich eigentlich lange nicht wusste, dass es für mich ein Problem ist. Und es klingt vollkommen banal, für viele Menschen vermutlich komplett nicht nachvollziehbar, aber ich finde einfach keine Lösung. Beziehungsweise funktioniert keine Lösung für mich.
Das Problem: Ich trinke zu wenig Wasser.
Klingt so banal wie ein Staubkorn auf dem Schreibtisch. Aber ich kämpfe damit seit einigen Jahren mittlerweile. Davor war mir das Problem einfach nicht bewusst, genug getrunken habe ich aber nie. An normalen Tagen trinke ich morgens Kaffee, eventuell einen Schluck Wasser mit der Schilddrüsentablette. Dann nichts mehr, weil ich sonst nicht ohne Klopause bis ins Büro komme. Dort trinke ich dann gleich den nächsten Kaffee und meist fällt mir erst gegen Mittag auf, dass ich sonst nichts weiter getrunken habe. Aber dann greife ich nicht automatisch zum Wasser. Nein, das wäre ja einfach. Aber einfaches Wasser ist mir oft zu kalt. Ich müsste also erstmal Wasser kochen und das mit kaltem Wasser mischen, dass es die für mich trinkbare Temperatur hat. Dazu muss ich meist Wasser holen gehen, weil ich im Büro nicht immer Wasser stehen habe. Aber dazu wiederum müsste ich aufstehen. Wenn ich das so aufschreibe, komme ich mir selbst vollkommen dämlich vor. Keine Frage: Ich verstehe, wie banal das für normale Menschen klingen muss. Und ich bin oft stinksauer auf mich, aber ich komme nicht drüber.
Wenn ich es dann schaffe mir Wasser zu kochen und in eine Wasserflasche zu füllen, wird das meist kalt und ich vergesse es zu trinken, obwohl es neben mir steht. Wenn ich mein Zeug packe, um das Büro zu verlasse, sehe ich das Wasser da stehen, kann aber aber in dem Moment nicht trinken, weil ich ja dann unterwegs heim vom Büro aufs Klo müsste. Also kippe ich es in die Pflanzentöpfe, die in der Vergangenheit schon darunter gelitten haben, weil sie täglich zu viel Wasser bekamen und jetzt möchte ich eigentlich laut schreien, weil das alles so absurd ist.
Jetzt kann man natürlich mit der neurodivergenten Keule kommen. Und sicher hat das damit zu tun. Ich brauche eine bestimmte Trinkflasche, ich kann nicht aus jedem Glas trinken, es muss spezielle Temperatur haben, die aber nicht jeden Tag gleich ist… Es ist so kompliziert, dass ich mir vermutlich eher Haare ausreiße, bevor ich ein Schluck Wasser trinke.
Also frage ich mich: Was kann ich tun? Ich habe Apps ausprobiert, mir die schönsten und tollsten Wasserflaschen besorgt, aber nichts hält an. Ich will auch nichts anderes trinken als Wasser, das hat dann meist Zucker, ich müsste es extra kaufen und es schmeckt komisch…. es wird nur noch komplizierter, fürchte ich.
Meine Frage an die Welt da draußen: Wer hat eine Lösung für mich? Wie kann ich es schaffen, mehr Wasser zu trinken und damit vielleicht auch meine Blase soweit zu bekommen, dass sie nicht beim ersten Schluck gleich aufschreit und mich dreimal aufs WC schickt. Über sämtliche Erfahrungswerte, die über „ich hab eine Wasserflasche und ein Glas auf dem Tisch stehen“ hinausgehen. Anything?
In diesem Sinne trinke ich jetzt, viel zu spät, noch ein Glas Wasser. Auf dass ich dann in der Nacht… ach. Schlaft gut!
Liebe Nadine, ich weiß nicht, ob das irgendwie hilfreich ist, aber das hier ist was mir dazu einfällt:
Ich brauche für alles was ich tue und machen soll einen Grund/ Motivation/ Legitimation. Etwas was einen wichtigen Wert von mir anspricht. Ein einfaches „die Statistik sagt, ich muss Wasser trinken“ funktioniert null. Ich brauche einen Grund warum zur Hölle ich zB Wasser trinken und diesen ganzen Aufwand in mich investieren soll (irgendwie klingt das hart…).
„Ich trinke jeden Morgen ein Glas Wasser, weil mir dann weniger schwindlig ist und wenn mir weniger schwindlig ist, bin ich freundlicher zu den Kindern.“ (Dieser Wert zieht bei mir immer und das ist auch kein hypothetischer Grund sondern wirklich durch Erfahrung so bestätigt.)
„Ich benutze Zahnseide, weil ich dann später vielleicht mal nicht einen großartigen Moment in meinem Leben wegen einer Wurzelbehandlung verpasse“ (An diesem Thema habe ich seit Jahren gearbeitet. Und dann hat Patti Smith so etwas ähnliches in einem Interview gesagt und merkwürdigerweise funktioniert das seit ein paar Monaten gut. Vielleicht, weil da doch ein großes Bedürfnis nach Leben in mir ist.)
Der Grund steht an erster Stelle. Erst wenn ich den habe, kann ich mich zusätzlich mit anderen Dingen wie „das Wasser steht direkt am Tisch“ oder Habit Trackern austricksen.
Der Grund muss so stark sein, dass es dir den ganzen Aufwand (Aufstehen, Wasser warm machen, evtl. Klopausen für unterwegs einplanen etc) wert ist – dass du es dir selber wert bist.
Und ansonsten: Was funktioniert bei dir bei anderen Dingen, die man so tun muss? Routine? Belohnen? Habit Tracker?
Liebe Grüße,
Stefanie
PS: Danke für das Teilen deiner Text. Ich mag sie und wollte schon längst mal kommentieren.
Liebe Stefanie,
Danke für Deine liebe Rückmeldung. Das mit dem Grund muss ich mir nochmal überlegen. Eine Freundin erwähnte gestern Nierensteine und die will man ja wirklich nicht haben, vielleicht ist das eine Motivation… Es ist aber auch bei anderen Dingen schwierig mich für so Alltägliches aufzuraffen… Muss jetzt dringend mal schauen, was Patti Smith genau gesagt hat 🙂
Liebe Grüße, Nadine
Das Temperaturproblem könntest du vielleicht lösen, indem du eine Thermosflasche mit heißem Wasser von zu Hause mitnimmst.
ja, das hab ich schon mal probiert. naja, probiert halt… da schleppe ich mehr Wasser, als dass ich was trinke. Aber danke!
Pingback: 12 von 12 im April – Nadine Hilmar
Naja, ich renne auch ziemlich oft aufs Klo….und kenne ein Klo am Weg heim vom Büro…ich ärgere mich nur, wenn ich mal was sehr Unbequemes zum Ausziehen anhabe, ansonsten,.so what?
naja klar, wenn man ein Klo hat. Ich gehe auch manchmal noch beim Sohn in der Schule. Dennoch reicht das an manchen Tagen nicht und dann sitze ich im Bus und schwitze… 🙈