Mein Ding machen

Weil ich ja gestern auf dem Insta Account von besagter Miniturkunstkatharina unterwegs war, war ich natürlich höchst entzückt, dass sie für eines ihrer kleinen großartigen Werke im Reel die Musik von Meret Becker verwendet hat. Ich kenne einfach niemanden, der diese Musik kennt und noch dazu mag. Das geht mir ja häufig so, nicht nur mit Musik. Ich habe oft das Gefühl mit meiner Begeisterung für ausgefallene Musik, großartige Musiksender (Radioeins!), die Liebe zum Norden (Island! Ostsee!) oder auch meiner geringen Abneigung dem Regen gegenüber allein auf dem Planeten zu stehen. Und obwohl das ja auch irgendwo Quatsch ist, weil es immer irgendwo irgendwen gibt… habe ich mich in dieser Rolle schon sehr eingewebt.

Ich erinnere mich nicht einmal mehr, wie ich auf Meret Becker kam, es war damals fast schon eine Manie mit dieser Familie, ich liebte Ben Becker, seine Stimme, seine Filme und seine Musik (Helden!). Aber ich liebte auch Meret und niemand liebte sie so sehr wie ich. Als ich dann entdeckte, dass sie mit dem Fragiles Album in Berlin in der „Bar jeder Vernunft“ spielte, kaufte ich mir kurzerhand ein Ticket. Ja, eines. Weil es interessierte ja sonst sowieso niemanden. Ich setzte mich in meinen kleinen Golf und fuhr von Magdeburg nach Berlin. Ich weiß noch, dass ich mir an dem Tag die Haare kurzgeschnitten hatte und so stand ich dort vor der Bar jeder Vernunft, fühlte mich seltsam fremd in der fremden großen Stadt und in mir drin auch mit so wenig Haar am Kopf. Ich lernte beim Anstehen eine andere Frau aus Berlin kennen und wir setzten uns nebeneinander in die erste Reihe, die Tickets waren ja mit freier Platzwahl. An der Bar kaufte ich mir irgendwas und neben mir bestellte Otto Sander gerade „eine Hopfenbrause“ (O-Ton) und ich musste grinsen. Ich liebte den Otto ja auch so so sehr (Der Himmel über Berlin, ach!) und hätte ihn zu gern angesprochen, aber dafür reichte mein Mut nicht und er wollte ja auch nur in Ruhe das Konzert von Meret ansehen.
Irgendwas lief technisch schief bei dem dennoch sehr famosen Konzert, bei dem Meret Becker nicht nur die singende Säge bediente, sondern u.a. auch mit Klebestreifen musizierte. Es war vielmehr ein Kleinkunstspektakel. Jedenfalls aber, weil etwas nicht so funktionierte wie es sollte, ich weiß nicht mehr was, durfte man die Tickets für den nächsten Abend behalten und einfach wiederkommen zu noch einer Vorstellung. Aber das war für mich nicht drin, ich musste ja nicht nur an diesem Abend noch zurück nach Magdeburg, ich konnte nicht auch noch am nächsten Tag wiederkommen. Also schenkte ich mein Ticket der frisch kennengelernten Frau, mit der ich auch noch Emails austauschte. Aber ich glaube wir hörten nicht mehr wirklich viel voneinander.

Was mich aber so fasziniert hat an dem Album von Meret Becker war, dass es eigentlich in keine Musikrichtung eingeordnet werden kann. Es ist ja irgendwas zwischen Chanson, Liedermacher und Hörbuch. Sie hat da einfach ihr Ding gemacht. Und auch das Booklet der CD war ein kleines Kunstwerk, das hab ich so gern angeschaut (ist auch eine der ganz ganz wenigen CDs, die ich noch immer besitze). Sowas bewundere ich immer, wenn etwas nicht in die typischen Schienen passt und Künstler:innen isch da austoben.
Ich mach ja auch so gern mein eigenes Ding. Heute habe ich wieder in alten Texten gelesen, eigentlich war ich auf der Suche nach etwas, was ich in eine Kurzgeschichte verwandeln kann. Da bin ich in einem Romanprojekt von 2024 gelandet. Und ich war völlig begeistert von den Texten an sich. Nur ergeben die halt noch keinen fertigen Roman. Und wie so oft frage ich mich, ob es nicht auch andere Konzepte geben kann. Grad letzte Woche hab ich bei den Literaturagenten auf Radioeins (natürlich!) von dem Buch „Frauenprobleme“ von Lina Muzur gehört. Einfach ein Sammelband wo 33 Frauen über ihre Erfahrungen mit der „Mitte des Lebens“ berichten. Sowas zwischen Roman und Sachbuch, das könnte mich auch immer wieder begeistern. Aber als Jungautorin, die nix vorweisen kann, brauch ich mit sowas nicht um die Ecke kommen. Da lässt sich kein Verlag drauf ein. Da müsste ich dann wieder ins Self Publishing abbiegen, aber dafür müsste ich mehr Power in der Selbstvermarktung haben. Nunja.

Ich verfasel mich hier. Ich hätte jedenfalls Bock auf so ganz mein Ding. Mit der Kunst. Mit dem Schreiben. Aber ich komm nicht weiter. Ich hänge da irgendwo fest und lande beim Grübeln darüber auch immer in derselben Ecke, am Ende fehlt mir oft die Energie mich da in eine Sache mal richtig reinzuhängen. Ich bewundere so Leute wie eben Meret Becker, die einfach ihr Ding machen. Klar, als Tochter in einer Schauspielfamilie kann man das vielleicht auch leichter. Könnte man meinen. Aber dann schaue ich mit den Kindern die neue Staffel von Voice Kids, die heute losging und da gibt’s immer wieder so Kids, die einfach schon in mega jungen Jahren ihr Ding voll durchziehen. Das fasziniert mich. Die Power hätte ich auch gern, aber das Thema Energie (also das Fehlen davon) ist echt eines, was mich ewig begleitet. Das mal aufzulösen, das wäre auch so ein Ding, was ich gern noch erleben würde, bevor ich sterbe…

So. Und jetzt schaue ich noch das Formel Eins Revival (nein, nicht die Autos, die Musiksendung, wer erinnert sich?) auf Joyn. Mit dem großartigen Markus Kavka. Kennt wahrscheinlich auch wieder keiner mehr in meinem Umfeld. Egal, auch den hab ich früher sehr geliebt. Ich feiere das jetzt noch sehr, heute geht es um Musik aus Deutschland und ich hab schon viel gesungen und wiederentdeckt hier. Ich sag nur: Guano Apes (Open Your Eyes), Freundeskreis (Mit Dir, hach) – hey, wie konnte ich die denn vergessen??)

Gute Nacht!

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