Mein Status

Heute wurde ich von einem nachbar wieder auf meinen Whatsapp Status angesprochen. Weil ich da – mittlerweile fast täglich – Fotos hochlade, die ich im Alltag mache. Manche tragen den Titel „Die weiteren Aussichten“ und beschreiben den Tag der vor mir liegt oder wirklich auch schöne Aussichten. An manchen Tagen poste ich aus dem Buch „Mit Thomas Mann durch’s Jahr“, in dem täglich 1-2 Sätze aus seinem Tagebuch stehen. Meist sind diese sehr unterhaltsam.

Ich mag diese Art von Unterhaltung. Während ich mich auf Instagram mittlerweile eher wie ein Alien fühle, weil ich das Gefühl habe, dass man dort sowieso keine Reichweite aufbaut, wenn man nicht täglich endlos viel Zeit in Videos steckt, so fühle ich mich auf Whatsapp wie die Oma, die aus dem Fotoalbum plaudert. Aber immer wieder bekomme ich Rückmeldungen darauf. Häufig natürlich in Form von Nachrichten direkt auf Whatsapp als Antwort auf den Status, manchmal aber eben auch in der direkten Begegnung. Und das freut mich. Denn es geht mir ja mit dem Status nicht darum jede Aktivität zu teilen, die ich erlebe. So aufregend ist mein Leben ja nicht mal. Es ist eher das Innehalten. Ich sehe oft kleine Details, die mich amüsieren oder die ich unfassbar schön finde. Früher habe ich so etwas auf Instagram auch gern angesehen, aber einfache Fotos findet man dort gar nicht mehr so viel. Weil es dort längst nicht mehr darum geht. Was nicht mit Video und Musik unterhält, ist es nicht wert betrachtet zu werden. Das finde ich schade. Sage das hier auf einem Blog, einem einschlafendem Medium, das vom Vlog abgelöst werden will. Aber dagegen wehre ich mich genauso und halte hier fest, solange es mir Spaß macht und mich immer wieder Gedanken umtreiben, die ich gern teile.

Ich finde es ja auch witzig, wenn ich dann erfahre, wer den Status so anschaut. Ich habe da ja keinen Einblick.

Erst heute bin ich wieder durch die Welt gegangen, die morgens so vereist und wolkenverhangen war, habe später aber sogar so etwas wie Dämmerung gesehen zwischen den Bäumen und ein Haus in Wien entdeckt, dass so wunderschön ist und an dem ich schon so oft vorbeigerannt bin ohne es wahrzunehmen. Man sollte viel öfter nach oben schauen. Oder dahin, wo die Sonne wundervolle Schatten zaubert. Manchmal sehe ich Gesichter in Dingen oder Figuren in alltäglichen Sachen. Und das verzaubert mich, bringt mich zum Lächeln. Einfach so. Es klingt so kitschig, aber ja, es sind oft die kleinen Dinge, die es besonders wert sind betrachtet zu werden.

Stop and smell the roses. Soviel Zeit muss sein.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. amberlight

    Ich habe ja neuerdings das Gefühl, dass blogs wiederkommen …. und beim Status sieht man ziemlich gut, wer’s anschaut, wenn man auf die Zahl schaut

    1. buntraum

      Das fände ich schön.
      Und ja, ich kann sehen, wieviele Leute den Status sehen. Aber nicht wer, weil ich die Sicherheitseinstellungen so habe, dass man nicht sieht, ob ich einen Status angeschaut habe. Dadurch sehe ich es auch bei mir nicht. Ist aber wie gesagt okay, finde es nur witzig, wenn ich dann drauf angesprochen werde ganz unerwartet. Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar