The Cure touren durch Europa. Drei Konzerte in Berlin und ich kann sie nirgends sehen. Ich hab mich natürlich auch nicht gekümmert drum und jetzt ist es sowieso alles zu spät weil die ja sowieso gleich ausverkauft waren.
Ich habe mir ein Video des Tourauftaktes in London (?) auf Instagram angesehen und natürlich hat der Algorithmus gleich Schluckauf bekommen. Rauf und runter spielt es mir Konzertmitschnitte und ich möchte eingehen vor ach und hach. Den ganzen Urlaub über habe ich mich drauf gefreut, „Disintegration“ zu hören, mein all time favorite Cure Album (weil ich das den Kindern im Auto nicht antun wollte und sie ja ihre Musik dauernd hören wollten, was auch schön war).
Allein der Albumauftakt mit „Plainsong“. Ganz leise beginnt er, man hört ihn fast kaum aber wenn man gleich genug aufdreht, kracht die Musik dann so schön rein. Bis dann bei Minute 2:39 zart die Stimme von Robert Smith einsetzt.
‚I think it’s dark and it looks like rain,“ you said.
Wenn die Melancholie aus dem Lautsprecher rinnt und man nicht weiß ob man vor tiefer Traurigkeit heulen oder vor lauter Schönheit pures Glück empfinden soll.
Then you smiled for a second.
Nach 5:17 Minuten ist der wunderbare Song schon zu Ende aber es kommen ja noch so viele schöne andere. Und plötzlich hört man wieder ein ganzes Album statt immer nur die abgespulten Playlists. Und plötzlich ist da dieses Glücksgefühl. Diese Freude. Weil das einfach meine Musik ist. Meine Playlisten konnte ich die letzten Wochen und Monate nicht mehr hören. Es tat weh weil sie hier eine zeitlang rauf und runter liefen. Als es mir gut ging. Als Dinge schön waren. Aber dann waren die Dinge grausam und trüb und die Musik die gleiche und das geht nicht gut. Radioeins war meine Rettung und ist es immernoch. Aber ich will auch manchmal einfach Musik und kein Gequatsche, Nachrichten oder Werbung. Und dann kommt Robert Smith wie aus dem Nichts daher und nimmt mich an die Hand und holt mich ab. Danke.
The Cure ist auch tatsächlich eine dieser Bands, die nur mir gehören. Die nicht mit irgendwelchen Erinnerungen an irgendwen behaftet sind. Dazu noch Sigur Ros und Radiohead. Diese drei sind meine und gehören nur mir. Wenn ich sie höre, bin ich da ganz bei mir. Und vor allem hab ich mir alle drei auch selbst in mein Gehirn geleiert vor vielen Jahren. Rauf und runter hab ich die CDs gehört, bis sie fast verglüht sind. Jahrelang bin ich abends zu Sigur Ros eingeschlafen. (Kein Wunder, dass ich mich halb isländisch fühle). Viel andere Musik muss ich teilen. Mit alten Geschichten. Mit schmerzhaften Gefühlen. Klar, mit der Zeit wird das alles wieder einfacher, leichter. Ich habe es auch schon geschafft mir Songs mit neuen Erinnerungen zu überschreiben. Aber das braucht Zeit. Und vor allem neue Erinnerungen. Die liegen ja nun auch nicht auf der Straße und warten auf mich.
Ich weiß nicht einmal, wann ich mir die Disintegration gekauft habe. Ich hatte sie einfach irgendwann und das ist ja auch das schöne: Erinnerungen verblassen.
Aber auch auf dem neuen Album sind so wunderbare Diamanten. „And nothing is forever“ ist so einer. Ähnlich wie Plainsong beginnt er instrumental und es dauert, bis Robert singt.
„Promise you’ll be with with me in the end“
Ach.