Gestern spät abends, jaja, die Mitternacht klingelte schon an der Tür, da wollte ich mich noch ein wenig auf den Balkon setzen und in die Sterne schauen und über mein Buchprojekt sinnieren.
Aber wie das so ist mit den gesuchten Freiräumen, sie werden schnell einmal eingenommen. Also stand die Tochter kurz drauf neben mir und begann zu plaudern. Da kann man im ersten Moment denken „Ach, jetzt wollte ich doch mal in Ruhe“ und tatsächlich war ich auch schon ein bisschen am Ideen spinnen, aber dann merkt man auch gleich: Das ist jetzt eigentlich ein Geschenk. Denn die Tochter quatscht ja hier nicht pausenlos. Sie kommt da ja eher nach mir, also wer sie sieht, der kann meinen, sie käme ausschließlich und in aller Hinsicht nach mir, aber nein, dem ist nicht so. Aber mit dem Plaudern ist es eben doch so. Sie redet, wenn sie in der Stimmung dazu ist. Und dann muss man die Chance nutzen und die Ohren aufsperren und dem lauschen, was sie zu erzählen hat. Denn sie kann auch sehr ruhig und in sich gekehrt.
So saßen wir dann noch bis halb zwei auf dem Balkon, redeten, waren auch immer wieder still. Auch das kann man mit ihr gut – still sein. Es kamen die verschiedensten Themen auf, angefangen hat alles mit dem leidigen Thema Bildungssystem und Schule, da sind wir uns einig. Das ist alles veraltet und blöd. Aber ja, wir stecken halt mittendrin. Zum Glück wanderten wir auch andere, schönere Themen ab und ich war fasziniert davon, welche Beobachtungen sie so im Alltag macht. Wie sie ihre Umgebung und die Menschen darin wahrnimmt. Das hat mich sehr beeindruckt.
Halb zwei waren wir dann beide müde. Mit der Buchidee ging es nicht so voran und für einen Moment dachte ich: Ja, das könnte so mit ein Grund sein, warum ich einfach nicht weiterkomme mit all dem. Während die ehemaligen Schreibbuddies da vorankommen mit ihren Stoffen, stecke ich nach wie vor fest. Aber ehrlich – die haben keine Kinder und ein ganz anderes Leben. Und das klingt jetzt nach Ausrede, aber ich habe da sehr viel drüber nachgedacht die letzten Tage. Erstens hat mich dieses Jahr bisher sehr viel Energie gekostet in sämtlichen Lebensbereichen. Ich hab das Gefühl ununterbrochen so halb unter der Wasseroberfläche zu schwimmen und immer wieder hektisch nach Luft zu schnappen. Zweitens ist da das Dilemma mit all den anderen Hobbies und Leidenschaften, die ihren Platz in meinem Leben suchen und sich da schnell eine Lücke finden, wenn sie sehen, dass ich mit dem Schreiben hadere. Und dann sind da eben meine drei wundervollen Nasen, die immer an erster Stelle stehen. Und an solchen Abenden wie gestern weiß ich dann auch, warum das so ist.
Klar tut es immer wieder weh zu hadern und das Gefühl zu haben, dass das mit dem Schreiben bei mir einfach nichts werden will, nicht sein soll. Und es tut auch weh keine ehrlichen Schreibbuddies zu haben, mit denen ich mich wirklich austauschen kann. Aber ich will mich nicht immer nur in dem Gejammer verlieren. Mein Leben ist so voll und meine drei Nasen sind das größte Geschenk, das ich haben kann. Sie werden irgendwann das Nest verlassen. Und dann wird vermutlich ein Haufen Zeit über mich hereinbrechen. Zumindest hoffe ich das. Und bis dahin muss ich einfach zusehen, dass ich nicht untergehe und für alles immer wieder kleine Freiräume finde. Und zu lächeln, wenn diese beschlagnahmt werden.
Dazu passt, dass ich nächste Woche in Wien bin und weiterhin an einem Kaffeerreff sehr interessiert wäre, wenn ws irgendwie reinpasst …
ich hab versucht dir eine email zu schicken, aber ich hab an diesem laptop die lustigsten Probleme zur Zeit… Magst du mir mal schreiben wann du genau in Wien bist?