Da liegt es vor mir. Dieses noch so zarte Jahr. Erst ein paar Stufen sind sichtbar, der Rest verhüllt im Nebel des Unbekannten.
Keine großen Vorsätze heuer. Frustrieren sie mich doch nur, wenn es mit ihnen wieder nicht klappt. Was soll sich auch groß ändern zwischen altem und neuem Jahr, einer dunklen Gasse, die oft so verheißungsvoll wirkt und dann doch nur eine triste Landstraße wird, die nirgendwo hin führt als in die alten Dörfer, deren Häuser und Straßen ich längst kenne.
Gern würde ich einmal ausbrechen. Etwas ganz Neues wagen. Neue Wege entdecken und sie unter meinen Füßen spüren. Aber zu wirr sind meine Gedanken dafür gerade, zu wirr mein Leben, das derzeit so Kopf steht.
Einzig ein Wort hat sich in den letzten Wochen immer wieder in den Vordergrund geschoben: Stille. Zu gern würde ich mal wieder auf ein Vipassana Retreat fahren. Eine Woche schweigen und nix müssen. Aber das ist grad einfach nicht drin. Also versuche ich mir meine eigenen kleinen Inseln zu schaffen. So der Kopf mich lässt, der sich leider sehr sehr stark auf mein Gemüt auswirkt, schwere Gedanken ins Herz schiebt und mich immer wieder fragt: Kind, was machst du da nur? Und ich finde keine Antworten.
Auch mit dem Schreiben geht es schleppend. Noch im letzten Jahr habe ich einige Agenturen angeschrieben, bisher aber erfolglos. Was schade ist – man weiß einfach nie aus welchem Grund man nichts hört, weil man einfach nie etwas hört. Keine Absagen. Nichts. Und so stolpert man weiter mit seinem Manuskript unterm Arm durch die Welt, feilt an Textstellen, am Plot, bis man sich selbst nicht mehr auskennt. Alles nur noch konstruiert wirkt und nicht mehr echt.
Und dann brennt da schon längst eine neu Idee in mir. Eine, auf die ich richtig Lust habe. (Auf welche Idee hatte ich bisher nicht richtig Lust, also gern laut lachen hier). Und dann schlummern da noch alte Projekte, die halb- oder dreiviertel fertig sind. Zu gern hätte ich einen eigenen Sekretär, der mir jetzt sagt, was ich tun sollte. Aber vermutlich würde ich sowieso nicht auf ihn hören.
Und so stolpere ich mehr oder weniger in dieses neue Jahr und wünsche mir Stille. Wünsche mir Ruhe im Kopf und Klarheit in so vielerlei Hinsicht. Und viel viel mehr geschriebene Worte.