Sind wir nicht alle verloren?

Es ist ja alles nicht so berauschend da draußen in der Welt im Moment. Man darf sich da auch gar nicht zu viel reinziehen an Nachrichten und was wer da so für tolle Sprüche von sich gibt.

In Deutschland regiert ein alter weißer Mann, der findet, dass alle zu wenig arbeiten und beim ersten Schnupfen zum Arzt rennen sollen um zu „beweisen“, dass sie wirklich krank sind. In Österreich regiert ein alter weißer Mann, der Kindererziehung nicht für Arbeit hält, sondern eher Spaß. Man weiß gar nicht, wen man zuerst verprügeln möchte.

Und nebenbei brennt Europa lichterloh und brüllt: Es reicht! Und was macht Deutschland? Wir schicken sonntags die LKWs wieder auf die Straßen, weil die Schiffe ja teilweise nicht mehr durch den Rhein kommen. Wir flicken also wieder herum und suchen Haurucklösungen für gesamtgesellschaftliche Probleme, die ihren Ursprung anderswo haben. Das ist dann auch das, was die Ärzte machen, wenn ihnen die Halbkranken, die sich nicht gut fühlen, die Praxis einrennen. Da wird dann auch den Ganzkranken nicht mehr nachhaltig geholfen, sondern da werden nur noch hastig Symptome bekämpft. Und das ist es ja auch, was jede Regierung seit Jahren, seit Jahrzehnten macht. Hauruck. Kurz irgendwo einsparen wollen, die Wähler angeblich beglücken und langfristig komplett an die Wand fahren. alle wachen auf, schreien „Stop!“ und wählen den nächsten alten weißen Mann. Der andere Themen an die Wand fährt.

Während wir also darauf warten, dass die Regierungen mal irgendwann irgendwas Sinnvolles entscheiden, liegt es wohl doch an uns, unser Verhalten zu überdenken. Heute hörte ich auf Radioeins einen Kommentar von Harald Welzer zu erwähntem Thema der Niedrigstände der Flüsse und dem daraus resultierend aufgehobenen Fahrverbot von LKWs am Sonntag (finde leider grad den link nicht, weil er auf radioeins falsch verlinkt ist). Dem Kommentar konnte ich heftig kopfnickend zustimmen. Nur am Ende sagte Welzer einen Satz, dem ich nicht ganz zustimmen kann. Da meinte er nämlich (ungefähr zitiert) : „Vielleicht müssen wir alle auch lernen mit weniger auszukommen. Gefällt uns nicht, stimmt, geht aber nicht anders.“

Und ich finde genau hier müssen wir umdenken. Diese Haltung von „Das fetzt so nicht, es muss aber sein“ kann ich nicht teilen. Denn nee, was sein muss, das wollen wir ja nie gut finden. Und was nicht haben dürfen, mochten wir als Kinder schon nicht. Aber vielleicht ist es ja ganz anders. Vielleicht dürfen wir mal begreifen, dass „weniger“ eben genau diese Freiheit bringt, von der immer alle reden. Denn mal wieder genauer hinzuschauen, was ich wirklich brauche und mich auf das zu reduzieren, was wirklich wichtig ist, kann eben so sehr befreien. Aber überfüllte Supermärkte mit einem Überangebot an Waren, wovon täglich Unmengen weggeschmissen werden, Klamottenramsch, der im Schrank landet und nur kurz beglückt – das ist das Zeug, was wir jetzt sonntags mit LKWs die Autobahnen entlangkarren. In den Sommerferien. Hurra. Und das macht mich echt wütend (hat man bis hierher nicht gemerkt, ich weiß). Und ja! – Die Regierungen müssen handeln, ganz anders handeln. Aber wir müssen auch alle im Kleinen handeln und unser Denken umdenken. Denn solange immernoch alle glauben, dass sie jeden Mist brauchen, der ihnen auf Insta und Tiktok vorgeführt wird, sind wir als Gesellschaft komplett verloren und spielen diesen ganzen Zirkus mit. Und dann läuft auf Radioeins täglich der Werbeslogan „Shoppen Sie sich glücklich!“ und wir wissen alle, dass das… ach. Manchmal weiß ich einfach nicht mehr wohin mit mir vor lauter Frust. Heute musste er hier hin. Gute Nacht!

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