Smalltalk

Wetterleuchten.

Am Himmel da hinten hinter oder über dem Haus gegenüber, da zuckt es am Himmel immer wieder. Man fühlt sich ein bisschen veralbert vom Wettermeister oder dem Himmel oder beiden. Es wirkt nach gefühlt vier Jahren Hitzewelle wie ein Auslachen. Denn nichts wünsche ich mir grad mehr als Blitz, Donner und Regen Regen Regen. Natürlich nur mit einer gehörigen Portion Abkühlung im Gepäck. Aber all das soll ja frühestens morgen kommen. Wobei das dann vermutlich eher wieder so ein schwüles Gewitterchen wird.

Und dann isses also soweit. Man redet übers Wetter. Selbst hier. Jedes Meeting beginnt derzeit genau damit. Wie heiß es bei wem ist und wer schon wie verzweifelt ist. In zwei drei Tagen redet man dann über den Schulschluss. Wer wann wohin in den Urlaub fährt. Das geht dann den ganzen Sommer so weiter. Wer schon im Urlaub war und wo. Wie es dort war. Und dann wieder zurück zum Wetter. Dem Schulanfang. Und über kurz oder lang wird gewundert, das ja achduschreck bald schon wieder Weihnachten ist.

Smalltalk.

Ich gehöre ja zu der Fraktion, die von sich sagt Smalltalk so gar nicht zu mögen. Mehr noch habe ich immer gesagt, dass ich das nicht kann. Das hat sich geändert. Mittlerweile bin ich also vollwertiges Mitglied dieser Smalltalkgesellschaft geworden. Ich kann ihn nicht gut beginnen, mich aber drauf einlassen, wenn die Stimmung passt. Wenn ich mies drauf bin, geht das nach wie vor nicht. Derzeit bin ich aber oft gut drauf, wenig mies.

Und ich finde Smalltalk ist so ein schönes Beispiel dafür, dass man sich Dinge einfach einredet. Smalltalk ist blöd ist ja auch so eine gern gesehene Haltung. Da treffen sich ja Gleichgesinnte und finden es gut, wenn das noch jemand doof findet. Und ja, ich gebe zu: Wenn ein Gespräch nicht aus dem Smalltalk herauskommt, wenn es nicht unter die Oberfläche geht und ewig so im seichten Gewässer herummäandert, dann langweile ich mich auch. Dann verliere ich schnell das Interesse. Dann gehe ich gern auch mal. Habe ich neulich erst wieder gemacht. Wenn ich merke: Hier ist für mich nichts zu holen. Hier ist keine Inspiration, kein Humor, kein Inhalt, dann muss ich da auch nicht länger verweilen. Aber Tatsache ist eben auch, dass wir ohne Smalltalk nicht wirklich da hinkommen. In die Tiefe. Irgendwo muss man ja anfangen. Und ja, manchmal geht das überraschend schnell, mit dem Tiefgang. Manchmal braucht es ein bisschen Geduld.

Vielleicht bin ich auch einfach nicht mehr so menschenscheu wie früher. Und darüber bin ich froh, weil ich mir dadurch nicht mehr selbst so viel im Weg stehe.

Am Himmel zuckt es noch immer. Ganz leise, vielleicht ist das also auch irgendwo weit draußen. In mir zuckt schon die Traumschnur. Die will gezogen werden, denn gestern war es spät. Sehr sehr spät. Elfmeterspät. Und das alles für nix. Naja, so ist das mit dem Fußball.

Im Übrigen auch ein wunderbares Smalltalkthema.

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