Ich weiß nicht, ob das Universum mir eas mitteilen will, oder ob es Zufall ist. Aber gestern hörte ich einen Podcast von Hotel Matze mit Hartmut Rosa.
Auch wenn ich von Hartmut Rosa noch nichts gelesen habe, weiß ich, dass es bei ihm viel um das Thema Entschleunigung geht. Und wie wir es als Mensch und als Gesellschaft schaffen mit dieser rasanten Welt klarzukommen. Im Podcast hat er darüber geredet, wie wir uns immer mehr von unserer direkten Umwelt entfernen. Wie wir uns deshalb auch immer weniger um genau diese kümmern. Wir haben Kopfhörer auf, Das Handy vor der Nase, den Blick gesenkt. In der Stadt bewegen wir uns viel mit den U-Bahnen fort und kriegen immer weniger um uns herum mit. Wir schlendern viel weniger als es Menschen früher getan haben. Viel früher war da gemeint, nicht nur vor 20 oder 30 Jahren.
Das hat mir vollkommen eingeleuchtet. Ich musste an die Abende denken, die ich mit einer Freundin spät durch den ersten Bezirk in Wien spaziert bin. Es war Hochsommer, tagsüber kaum erträglich draußen zu sein und da sind wir manchmal um 21Uhr los, ziellos und haben uns den ersten Bezirk angeschaut. Da gibt es so unfassbar viele schöne Häuser, die mich immer wieder faszinieren. Und wo ich mich frage: Wer hat da früher gelebt? Wie haben die gelebt? Wer hat die gebaut? All das könnte mich endlos faszinieren und ich gehe auch jetzt wieder abends viel lieber zu Fuß als mit irgendeiner Bahn zu fahren.
Heute fuhr ich mit der Tochter Straßenbahn zu ihrem Kieferorthopäden. Sie war nervös, weil sie das immer ist, obwohl ja nur geschaut wird, ob mit der Spange alles passt. Eventuell wird der Draht nachgezogen. Aber sie ist nunmal nervös und still, also hab ich aus dem Fenster der Bahn geschaut. Ich merkte, wie es mich nervte, dass die Bahn an jeder Ampel ewig herumsteht. Und kaum fährt sie, naht schon die nächste Haltestelle. Ich fragte mich dann, warum ich so ungeduldig war. Immer wieder zog ich das Handy raus, auf dem es aber auch nichts tolles zu schauen gab. Und dann musste ich über mich selbst lachen. Und dachte: Vielleicht sollte ich auch öfter mal Straßenbahn fahren. Und das als Entschleunigungsprogramm nutzen.
Als wir dann in den 9. Bezirk fuhren, sah ich wieder so viele schöne Häuser mit kleinen Balkonen nur in den oberen Stockwerken. Mit hübschen Erkern. Vielleicht war ich in einem früheren Leben mal Architektin oder sowas, vielleicht bin ich auch Bauingenieurin, das könnte meinen Dipl-Ing erklären. Jedenfalls kann ich mich an solchen Häusern gar nicht sattsehen.
Ja, statt immer nur von A nach B zu hetzen, sollten wir öfter auch mal den Weg als das Ziel ansehen. Langsamer gehen. Öfter mal nach oben schauen. Staunen. Und sich wundern. Ich glaube das täte uns allen ganz gut.
Wie recht du mit diesen Gedanken hast …
Danke Dir!