In der Hypnoseausbildung hab ich vor allem eins gelernt: Deine Gedanken machen Deine Realität. Und das klingt so logisch, es ist ja mittlerweile auch wissenschaftlich belegt. Placebos sind der beste Beweis dafür. Und trotzdem ist es so verdammt schwer manchmal, genau an dieser Stellschraube, die man „Gedanken“ nennt, zu drehen.
Man ist ja so wundervoll im Alltag gefangen, hat seine Muster. Jeder wacht auf und hat sein eigenes Ding am Laufen. Bei mir ist das eben oft ein Gefühl von „Alles oasch“, was sich erst nach dem ersten Kaffee verwandeln kann. Manchmal bleibt es auch. Wenn ich – wie so oft in letzter Zeit – direkt nach dem Aufwachen versuche etwas anderes zu denken als „Alles oasch“, habe ich nur das Gefühl mich selbst zu verarschen. Die so viel angepriesene einfache Dankbarkeit funktioniert da bei mir auch nicht, ich brauche scheinbar was ganz anderes, aber was es ist, hab ich noch nicht rausgefunden.
Dafür hatte ich heute einen Durchbruch in einer anderen Kiste. Ich hatte eine Email verfasst, in die ich alles reingepackt habe, was mich beschäftigt und wollte das an eine Person abschicken. Ich hab aber die Email noch im Entwürfe Ordner gelassen und mir gedacht: „Trink noch nen Kaffee und überleg in Ruhe, ob du die Email abschickst.“ Und während ich an der fancy Kaffeemaschine stehe und warte, dass mein Tasse sich füllt, kriecht ein Gedanke durch meinen Kopf bis nach vorn, den ich die letzten Monate immer mit Wut und Enttäuschung weggespült habe. Er war aber in dem Moment plötzlich so groß und real, ich hab ihn einfach mal eine Weile zugelassen, anstatt ihn beiseite zu schieben. Hab mich drauf eingelassen und gemerkt: Wenn ich den Gedanken zulasse, wenn ich ihm glaube, dann fühlt sich das eigentlich gut, ehrlich und richtig an. Und noch besser: Dann brauche ich die Email nicht mehr zu schicken, weil all das, was da drin steht, plötzlich nicht mehr wahr ist und weil ich vor allem nicht mehr das Gefühl habe, irgendwem irgendwas erklären zu müssen. Auf einmal war alles leichter in mir.
Ich spiele immer wieder mit dem Umstülpen von Gedanken von innen nach außen oder umgekehrt. Und es macht Spaß. Aber dann kommt oft der Alltag und ich vergesse es. Immerhin haben wir ja so so so viele Jahre mit unseren Gedanken verbracht, dass die in uns eingebrannt sind bis ins tiefste Unterbewusstsein. Die zu überschreiben braucht halt mehr als einen kurzen Moment an der Kaffeemaschine. Eher dreitausend Momente oder sowas. Nur muss man dazwischen halt auch mal aufs Klo, was arbeiten, essen, kochen, schlafen. Und schwups ist man wieder in alten Mustern drin. Aber so ein kleiner Glücksmoment wie heute kann jedenfalls helfen sich zu erinnern. Denn wenn jetzt diese anderen blöden Gedanken wiederkommen, weiß ich: ha, da gibt es aber auch andere Denkmöglichkeiten, die fische ich jetzt wieder aus der bunten Suppe heraus und halte sie ins Licht.
„The mind loves what is familiar.“ Das hat Marisa Peer immer gesagt in der Ausbildung. Und dagegen stellt sie den Buchtitel eines ihrer Bücher: „Tell yourself a better lie.“ Und das versuche ich jetzt. Das ist mein neues Motto.
Und außerdem schaue ich mir jetzt noch den Start der Artemis II Mission an. Sowas liebe ich ja, finde das mega spannend und aufregend. Und ich bewundere jeden Astronauten, der sich in so eine Kapsel quetscht und da rauf ins Universum rauscht. Dafür muss man wirklich geschaffen sein.