Kleiner Ausflug nach Innsbruck. Beruflich. Ich mag es immer wieder mal auf diese Art rauszukommen aus Wien. Aus dem Alltag. Schon auf der Fahrt mit dem Railjet genieße ich dann die Aussicht, wenn sich plötzlich die Berge erheben. Heute dazu noch Sonnenschein und Frühling.
Kaum angekommen habe ich sofort das Hotel wieder verlassen, denn draußen war es noch so sonnig und schön. Ich bin dann völlig fasziniert von den Bergen, die Innsbruck ja rundherum umgeben. Auf Dauer wäre das nichts für mich, dem Wintersport bin ich so fremd wie ein Schaf dem Springreiten. Im Sommer könnte ich mich vielleicht noch zu etwas Bergwandern hinreißen lassen, aber im Winter wäre ich hier aufgeschmissen. Für einen kurzen Szenenwechsel aber ist Innsbruck ganz fein.
Vor allem die Atmosphäre in der Stadt hat mich heute beeindruckt. So viele junge Menschen, die hier unterwegs sind. Man merkt eindeutig die Uni und ihre Student:innen, die in Wien ja total untergehen. Da muss man schon zum Karlsplatz oder Schottentor, um wirklich vom Studentenleben was mitzubekommen. Hier in Innsbruck hatte ich heute das Gefühl, dass sie überall sind. Und wetterbedingt saßen sie auch überall draußen herum, die Gastgärten waren voll, es gibt so viele schöne Lokale, Gruppen radelten durch die Stadt. Es wirkte alles so viel freier und offener. Und ich mich zurückversetzt in meine Studentenzeit. Dann fühle ich mich gleich wieder so alt…
Dennoch gibt mir Innsbruck immer so ein Heimatgefühl. Vielleicht, weil ich selbst aus einer Kleinstadt komme. Ich war jetzt dreimal oder so hier beruflich und hab schon das Gefühl mich in der Stadt auszukennen. Sowas beruhigt mich und ich genieße es vor allem so ganz ohne Bus oder Bahn durch eine Stadt zu kommen. Das war in Edinburgh schon so, da bin ich auch überall zu Fuß gegangen und es hat nie länger als eine halbe oder dreiviertel Stunde gebraucht. In Wien undenkbar. Ich weiß dort auch nie so recht, wo man hingehen könnte am Abend. Welche Lokale wirklich gut sind. Ich probiere immer wieder neue aus. In Magdeburg oder Edinburgh hatte ich das Problem nie. Da kannte man gefühlt jede Kneipe und hatte seine Lieblingslokale, die waren es dann eben immer. Man kannte dann irgendwann die Leute dort, es war wie ein zu Hause. Vielleicht ist das auch das Gefühl, was mir fehlt in Wien. Das Zu Hause. Weil ich schon so viel unterwegs war, dass ich komplett entwurzelt bin. Aber nach Hause zurück will ich ja auch nicht mehr, denn da bin ich nach so vielen Jahren auch nur fremd.
Und so merke ich immer wieder, dass Wien nur eine Station ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da alt werde. Irgendwann will ich wieder in einer Stadt leben, die überschaubar ist. Wo ich nochmal schnell raus kann irgendwohin ohne mit U-Bahnen gurken zu müssen. Ich hab keine Ahnung, wo das sein wird. Das muss ich jetzt auch noch nicht, denn die nächsten zehn Jahre wird das wohl kein Thema sein, erstmal müssen die Kinder alle groß genug sein. Und wer weiß, wo die dann mal landen, vielleicht folge ich ihnen ja irgendwo hin. Ach, das Leben ist bunt. Und wird es immer bleiben.