Sie sind da, gestern, urplötzlich standen sie im Supermarkt auf großen Paletten herum. Lächelten mich an und sagten: Du hast doch schon auf uns gewartet. Und es stimmt, zum ersten Mal habe ich auf sie gewartet: Die Lebkuchen.
Nicht, weil ich die unbedingt jetzt essen will oder mir Weihnachten herbeisehne. Ich will nur endlich das Ende dieses irren unerträglichen Sommers. Ich will Herbst. Ich will Tee trinken, wieder Kerzen anzünden, mich meinem 2000-Teile Island Puzzle widmen und dabei schöne Musik hören. Ich will mich unter meine Bettdecke kuscheln nachts wie ein kleines Katzenbaby. Miau.
Ich bin absolut keine Freundin davon, dass es im August Lebkuchen gibt. Auch nicht, dass direkt nach Weihnachten die bunten Eier in den Regalen liegen. Und es ist ein Trugschluss des Handels, wenn er uns sagt: „Die Menschen wollen das so.“ Nein, Ihr stellt das da hin und es gibt halt ein paar zu viele Hanseln, die dann nicht warten können und denken: oh juhu, ich hatte ja schon 8 Monate keinen Lebkuchen mehr in der Hand. Es nimmt den Zauber von allem.
Aber für Zauber haben wir ja auch nicht mehr so viel übrig. Keine Zeit. Wir fokussieren uns auf die Nachrichten und wie schlimm es ist auf der Welt gerade. Und ja, es ist auch wirklich frustrierend, wenn man sich nur darauf konzentriert. Aber es gibt auch so viel Schönes. Zauberhaftes. Das dürfen wir nicht vergessen. Ich gehöre dazu. Jammern und Schimpfen, das geht bei mir morgens schon los. Im Moment fällt es mir wieder auf. Es geht so schnell und es ist so einfach. Weil es (zumindest mir) so viel vertrauter ist. Ich bin so aufgewachsen, es wurde viel gemeckert über das, was nicht gut lief. Was wir nicht hatten. Und ich glaube wir Menschen neigen generell dazu. Wenn man andere fragt, was sie wollen, fällt es ihnen schwer, das zu sagen. Aber was sie nicht wollen, das wissen die meisten. Und wer mich schon länger kennt, weiß auch, wie lange ich schon daran arbeite, das zu ändern. Es ist ein ewiger Prozess.
Heute jedenfalls freue ich mich über die Lebkuchen ohne sie zu kaufen. Und über den Zettel vom Billa, der an der Palette klebte: „Nur für kurze Zeit“. Da hab ich sehr gelacht.
Vorgestern hat es geregnet. Nur so kurz Plitsch. Für Platsch hat es dann schon nicht mehr gereicht. Aber für kleine zauberhafte Wasserperlen auf den Blättern der Pflanzen. Die könnte ich ewig betrachten. So perfekt und schön.
Und ich bin dankbar für meine zauberhaften Freundinnen. Die mich tragen, halten, mit mir lachen, dass der Bauch weh tut. Mit denen ich über zauberhafte Musik schwafeln kann. Neues entdecken und in Altem schwelgen. Ehrlich, was wäre ich ohne sie. Gerade diese Woche wieder.
So vieles, das zauberhaft ist und das wir oft als so gegeben hinnehmen. Es hilft mir, das Leben leichter zu nehmen. Und zu erkennen, dass doch nicht alles nur furchtbar ist.
Das dachte ich beim Anblick erster Herbstblätter, auch wenn sie wahrscheinlich eher bei der Sommerhitze vertrocknet sind … endlich erträgliche Temperaturen