Was denn sonst?

Heute lag ich noch immer kränkelnd – eigentlich kranker als die Vortage – am Sofa und scrollte, weil ja sonst nicht viel ging, durch Instagram. Aus irgendeinem Grund spülte es mir heute wieder diverse ADHS Videos in die timeline. An sich mag ich die nicht so, weil sie oft so plakativ erzählen und so hahah witzig dabei sein wollen. Aber heute waren ein paar interessante darunter und eines hat mich wieder mal eiskalt erwischt.

Da wurde eine Frau gefragt, was so eine Superkraft von Menschen mit ADHS sei und sie sagte direkt: „Dass sie so belastbar sind.“ Und zack kamen mir die Tränen. Weil es stimmt. Aber weil genau das eben auch so hart ist. Sie sprach dann weiter von Stehaufmännchen und immer wieder neue Energie und all das stimmt, aber all das ist eben auch so irre anstrengend. Ich bin wirklich noch auf Kriegsfuß mit dieser Diagnose, weil sie eben einerseits so gewisse Fähigkeiten mit sich bringt, aber andererseits so unglaublich viel Energie raubt. Weil ich nicht so recht weiß, wohin mit mir und diesem ADHS.

Wieviel ich im Alltag so schaffe merke ich vor allem jetzt, wo ich in diesen zwei Welten lebe. Weil mir da erst so richtig das Ausmaß an Erschöpfung bewusst wird, wenn ich nach zwei Tagen allein Erholung und Ausgeruhtsein spüre. Dann frage ich mich manchmal, wie ich das geschafft habe vorher, wo ich immer nur 4 Tage „frei“ hatte. Aber das ist eben der Punkt: Man macht eben. Man ballert durch. Reißt nebenbei noch drölfzig andere Projekte auf, von denen man nur einen Bruchteil umsetzt, weil eigentlich für nix Energie da ist. Nur das bisschen an den Tagen, wo zu viel da ist und man sie sich nicht einteilen kann. Und dann ist man frustriert, weil irgendwas immer auf der Strecke bleibt, man wieder was vergessen hat und nachts fällt einem ein, auf welche Email vor 7 Wochen man vergessen hat zu antworten und auf welche Nachricht vor 6 Wochen man hätte ganz anders reagieren sollen. Wer braucht schon Schlaf?

Auch der Exmann hat jetzt zum ersten Mal gesagt, wie anstrengend das ist mit den Kids. Und das, obwohl sie schon so groß sind. Aber es gibt so viel zu bedenken und zu checken. Vor allem mitten im Schuljahr, wenn Schularbeiten und Tests anstehen und man als Eltern eben auch den Stress mit sich zieht, ob sich das Schuljahr ausgehen wird hier und da. Und dieses „Was wenn nicht?“ Obwohl ich ja weiß, dass es immer eine Lösung gibt, dass immer alles gut wird am Ende. Abgesehen von all den anderen Begleiterscheinungen, die es bei großwerdenden Kindern eben so gibt. Soziales, Emotionales. große Lebensfragen. All das kommt ja nicht allein, es kommt on top auf das, was man selbst mit sich herumträgt. Und an Tagen wie diesen, wo ich jetzt nach 2 quasi nichtgeschlafenen Nächten und krank überhaupt nicht ich selbst bin, ist das einfach alles zu viel. Da bin ich dann emotional und wackelig. „Alles okay, Mama?“ fragt der Jüngste mich oft. Und ich lächle und reiße mich zusammen und nicke. Weil es nicht seine Aufgabe ist, sich um mich zu kümmern. Weil er aber dazu neigt, das zu tun. Dann sage ich nur „Bin nur müde“, oder sowas und will, dass zumindest er seine Leichtigkeit behält.

Ich hab jetzt auch ganz den Faden hier verloren, falls es den mal gab. Ich hatte zumindest ein Grobgerüst, bevor ich mich hingesetzt habe hier zum Tippen. Aber das ist nunmal so und gehört eben genauso dazu.

Das hier geht jedenfalls raus an alle Mütter da draußen. Ob ADHS oder nicht, denn alle reißen sich den Hintern auf und machen so viel unsichtbare Arbeit. Und ich will gar nicht wissen wie viele manchmal erschöpft am Klo hocken und nicht wissen, wie sie weitermachen sollen. Und dann machen sie eben doch weiter. Weil… was denn sonst?

Schreibe einen Kommentar