What a feeling

Das war schon wieder eine verrückte Woche und ein emotional achterbahnähnliches Wochenende. Und irgendwie hab ich das Gefühl, dass das in letzter Zeit oft der Fall ist.

Was daran witzig ist, ist die Tatsache, dass ich sehr oft spüre, wenn mich was emotional aufwühlt, runterzieht, begeistert, aufregt. Aber wenn ich genau überlege, wie es mir geht, dann kann ich das nicht äußern. Ich kann sagen, welche 8436 Gedanken pro Sekunde durch meinen Kopf schießen oder was mich morgens um 5Uhr beschäftigt. Aber wie es mir geht, darauf habe ich meist nur drei Antworten: „Richtig gut“, „richtig schlecht“ und „ganz ok.“ Weiter komme ich nie. Wenn man mich dann noch – was Therapeuten ja gern machen – fragt, wo im Körper ich was spüre, bin ich sofort raus. Meine letzte Therapeutin wollte auch noch so Sachen wie Farben wissen. Welche Farbe irgendein Gefühl hat. Ich kann ihr sagen, dass Montage in meinem Kopf rot sind und Donnerstage schwarz (Freitage weiß), dass die Zahl 8 schwarz ist aber die Zahl sieben eher rot. Aber Gefühle…

Nun sagte mir meine Coachin neulich, dass das wohl bei ADHSlern normal wäre. Dass die eben diese starken Emotionen spüren, aber nicht die feinen Nuancen dazwischen benennen können. Ich lerne grad wirklich viel über mich, was wohl diesem ADHS zuzuschreiben ist. Verrückt. Anyway. Sie empfahl mir das Gefühlsrad zu verwenden. Da sind die Grundgefühle wie Angst, Trauer, Freude und Wut und so aufgefächert in immer feinere Unterscheidungen. Und tatsächlich hilft mir das zu erkennen, wie ich mich grad wirklich fühle. Jetzt im Moment würde ich auch ad hoc sagen „Joa, geht so.“ Aber wenn ich dann auf dieses Gefühlsrad schaue, gehe ich zu Trauer, aber die ist nicht wirklich intensiv oder stark, also wähle ich von denen dann sehnsüchtig / einsam und gehe dann weiter. Da finde ich wehmütig und vermissend und das passt grad sehr gut. Auch wenn ich nicht mal genau sagen kann, was genau ich vermisse. Aber das Gefühl ist da.

Jetzt kann man natürlich fragen: Wozu das alles? Aber mir hilft’s mich besser einzuordnen. zu verstehen, warum es mir so geht, wie es mir geht. Denn das ist ja oft automatisch die nächste Frage. Dadurch erkenne ich dann auch Muster in meinem Verhalten. Und ich merke: Ach schau, so fühlst du dich öfter, wenn… Und dann machst du immer das oder das. Und dann kann ich mir überlegen, ob das hilfreich ist. Und ob es etwas gibt, das ich tun kann, damit ich mich anders / besser fühle. Oder ob es passt und so bleiben soll im Moment. Grad bin ich natürlich nur müde und will gar nichts ändern. Aber morgen darf es mir gern anders gehen. Besser. Lustiger. Energetischer. Leichter. Mal sehen, wie das Aufwachen wird. Und der restliche Tage.

Im Übrigen hatten wir auch im Schreibkurs das Gefühlsrad in Verwendung. Für die Protagonisten, Antagonisten etc. Es half ein bisschen die Figuren besser zu charakterisieren. Ich bin damals nur nicht auf die Idee gekommen, das auch für mich zu verwenden. Naja, man hat halt viele Ideen, aber nicht immer alle, die gut wären.

Jetzt erstmal Buch und Bett und Gute Nacht!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Stefanie

    Hallo Nadine,
    oh das Gefühlsrad ist toll, vielen Dank für den Tipp!
    Und jaaaa, die Frage „Wie geht es dir?“ ist auch für mich eine der schwersten Fragen überhaupt. Da wabert irgendeine Emotion im Körper rum, es drückt, es kribbelt und ich will das einfach nur weghaben und denke und denke und denke. Mir hilft es total, dann ein Wort für die Emotion zu finden, irgendwie beruhigt mich das. Manchmal hilft auch schütteln. Inzwischen kann ich sogar sagen wo im Körper die Emotionen sind, haha (zumindest manchmal – und es hat Jahre gedauert dahin…)
    Ich wünsche dir eine gute Woche und einen freundlichen Achterbahn-Kapitän!

    1. buntraum

      oh wie toll, wenn dir das auch weiterhilft. Ja, es benennen zu können, was da manchmal los ist in einem, das hilft total. Bin gespannt, ob ich das auch mal lerne, das im Körper wahrzunehmen…. Dir auch eine gute Woche und liebe Grüße!

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