Mit dumpfem Kopf erwacht. Nicht sicher, ob es nur der Konzertnebel ist, der Hals angekratzt vom vielen Mitsingen und Mitgröhlen, oder ob nun doch endlich die alljährliche Erkältung? Nicht sicher, ob man gröhlen mit oder ohne h schreibt, beides sieht blöd aus, zu faul um zu googeln, weil ist das überhaupt ein Wort? Egal.
Im Radio (ich sag’s nicht wieder, aber ja, das eine!) heute den ganzen Tag das Thema „Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche unter x,y,z Jahren“. Ich höre zu, versuche mir eine Meinung zu bilden. Halte Verbote (Halteverbot hahaha) generell für irgendwie Dings, die Jugend ist ja auch viel zu clever schon. Australien zeigt’s. Da schaffen es viele auch die Altersgrenze zu umgehen, nutzen accounts der Eltern oder der älteren Geschwister, Freunde… klar schaffen die das. Dennoch sehe ich das auch alles mit Bauchweh. Drei Kinder, alle schon sehr dieser Sucht verfallen und ich schaue zu, oft ratlos, versuche ins Gespräch zu gehen, zu reden, zu helfen. Sie rauszuziehen, aus dem Sumpf. Aber sind wir nicht selbst alle irgendwo süchtig? Vorbildwirkung und so. Und zu oft ist da Alltag und es verläuft sich. Will man jeden Tag diskutieren? So viele andere Themen, die da auch noch…
Unterwegs draußen im plötzlichen Winterwiedereinbruch in Wien Gedanken darüber, was es stattdessen braucht. Kontrolle über die einzelnen Apps, denke ich. Diesen ganzen hirnfressenden Wahnsinn einschränken, beschränken, am besten stoppen. Aber wie? So oft denke ich über diese Dinge nach. Reduzierung. Auch im Supermarkt. Überangebot überall. Alles grell. Werbung an jeder Ecke. Wieso muss ich im Buchladen Gummibärli und Haarspangen kaufen können? Ohrringe im Schuhgeschäft. Alles so absurd. Alles vollgestellt. Aber darüber wollte ich gerade gar nicht schreiben…
Das Endlosscrollen. Vorschläge. Werbung. Das müsste alles raus. Früher (hört ihr den Boomer in mir?) war Instagram vor allem eins: schöne Fotos. Inspiration mit einem Ende der Timeline. Twitter war voller kurzer Texte, manche poetisch, manche witzig. Und ja, manche dumm, blöd oder provozierend. Das lässt sich wohl nicht verhindern. Aber heute? Neulich war ich wieder kurz auf Bluesky. Hilfe. Ich feiere jeden Post, der nur aus Worten besteht. Kein Link, keine Verlinkung eines Links. Verlinkung eines verlinkten Kommentars. Kein 12-seitiger Thread. Keine Bilder. Es macht alles so wirr und unübersichtlich. Findet Ihr Euch da wirklich alle zurecht? Mich überfordert das. Instagram voller Reels und Videos. Haha lustig. Blöd zuweilen. Wiederholungen ohne Ende. Ich wünschte es gäbe einen Button wo ich wählen kann „Nur Fotos“ oder „Nur Videos“ oder „Beides“. Und dann auch nur das bekomme. Keine Werbung. Keine Vorschläge von Accounts, die ich vielleicht… Will ich nicht. Überfordert mich. Brauch ich nicht.
Und mehr Langsamkeit. Herrje die Menschen reden so schnell in den Videos. Warum? Auch die Kinder unterhalten sich oft in einem Tempo, dass mir schwindlig wird. Liegt das nur an mir? Bin ich so übersensibel all dem gegenüber geworden? Bin nur ich überfordert davon? Oder sind die Kids es nicht auch und merken es nur noch nicht, weil es für sie fast schon normal ist?
Ich habe offensichtlich auch keine Lösung. Diese eine wird es auch gar nicht geben. Aber ich würde mir irgendeine Art von Einschränkung wünschen. Und für die Kinder mehr Kompetenzen darüber. Die Tochter lernt seit nunmehr zwei Jahren Tippen im 10-Finger-System. Ja eh, mag hilfreich sein, aber es wirkt, als würde sie Steno aufs Papier kratzen, obwohl neben ihr ein Diktiergerät liegt und rot blinkt.
Und so nehme ich mir jetzt mein Buch, trinke Tee und fühle mich fürchterlich alt. Schönes Wochenende!
Schwieriges Thema … wir haben gerade mit der 16jährigen ausgehandelt, dass die Beschränkung via family link bei bestimmten Punkten bleibt und mein Mann bleibt weiterhin so völlig unabhängig von diesen ganzen virtuellen Versuchungen, was mir leider nicht gelingt …