Der fünfte des Monats. Ihr kennt das Spiel. Frau Brüllen fragt und ich antworte mit einem Blurp aus meinem Alltag.
Für einen Samstag bin ich viel zu früh wach, prüfe als erstes Mal meinen Kopf auf die Nachwirkungen der zwei Bier eines sehr schönen Freitagabends (wie kann man vier Stunden lang ein Gespräch führen und dabei drölfzehn Themen kreuzen? Hab das sehr genossen und die Erleichterung ist groß, dass das Reden nach all den Monaten wieder möglich ist). Dem Kopf gehts auch sonst gut, also beginne ich das allübliche Wochenend-Ritual meiner freien Wochenenden: Kaffee und Buch im Bett. Ich habe gerade „Der Film“ von Kristin Eriksdottir angefangen, das hatte ich mir zum Geburtstag gewünscht. Bin noch nicht ganz sicher, wo es hinführt, es fängt etwas chaotisch an und wiedermal denke ich mir: Siehste Nadine, schreib einfach, wie du magst. Andere machen das auch und diese strikten angeblichen Vorgaben von Verlagen und Agenturen und pipapo… Blubb.
Nebenbei genieße ich es, dass es draußen bewölkt ist und dann auch irgendwann ein paar Tropfen vom Himmel fallen. Nicht viel, aber immerhin keine Sonne. Ich habe wirklich fertig damit.
Dann gibt es erstmal Frühstück und dazu natürlich Radioeins. Am Samstag läuft da morgens die Sendung „Die Profis“ und da erfährt man immer sehr viel interessante Sachen aus allen Wissenschaften. Mag das sehr, weil es auch so random ist und man immer so ein bissl überrascht ist. Und dann beginnt hier so das übliche Samstagsgewurschtel. Planlos beginne ich irgendwelche Pflanzen aus kleineren in größere Töpfe zu setzen, denke mir ich hätte doch Gärtnerin werden sollen haha, setze neue Setzlinge in die kleinen Töpfe, dabei stelle ich fest, dass man die Fenster ja mal putzen könnte und wo doch grad die Sonne nicht scheint… Dann freue ich mich über die sauberen Fenster, sauge ein bisschen, nebenbei chille ich immer wieder in meinem mega bequemen Sessel und genieße den Tag. Wow, das hab ich lange nicht gemacht und es könnte auch dran liegen, dass ich gestern eine gute Coaching Einheit hatte und seitdem wieder ein bisschen mehr bei mir bin und mein Leben genieße.
Mittags läuft dann „Zwölf Uhr mittags“ auf Radioeins, das Filmmagazin mit Knut Elstermann und ich hab Donnerstag bei der Filmvorstellung der neuen Filme gehört, dass heute über „Vaterland“, den neuen Film von Pawel Pawlowski geredet wird. Und während das also läuft, kaufe ich mir gleich mal ein Ticket für die Nachmittagsvorstellung des Films. Als Thomas Mann Fan ja sozusagen ein Muss.
Also weiter hier gewurschtelt, geduscht, meine sportlichen Übungen gemacht, die mir instagram dauernd vorschlägt… und auf Richtung Innenstadt. Extra ein bisschen mehr Zeit eingeplant um noch kurz ein paar Dinge einzukaufen. Beim Müller dann schon den ersten Ansturm SchülerInnen und Eltern gesehen, die sich durch die Überauswahl an Heften und Stiften kämpften und kurze Panik vor nächster Woche bekommen. Aber ohmmmmm, wir kennen das Spiel. Es wird die Hölle und wir werden es ein weiteres Mal überleben.
Dabei hab ich dann auch tollste Geschenkideen für die Tochter für Weihnachten gesehen halleluja. Man muss ja schon langsam… nur kann ich ihr ja nix kaufen, weil sie ja sagt sie schreibt noch eine Liste. Ach, wenn sie wüsste, dass ich das Tollste schon gesehen habe für sie… naja, glaube ich. Aaaahhhhh
Und dann endlich Kino. Puh. Hätte ich gewusst, dass der Saal knackevoll wird… jedenfalls war ich froh, dass ich mein Ticket auf einem guten Platz schon gekauft hatte. Und ich hab glaub ich eindeutig den Altersdurchschnitt im Saal radikal gesenkt. Aber wie schön, dass so viele alte Menschen auch noch ins Kino gehen. Naja, viele von denen werden zu der Zeit, wo der Film spielt (1949) wohl schon gelebt haben.
Und dann der Film. Den muss ich erstmal noch verdauen. Der hat mich auf vielen Ebenen sehr berührt und ja, da sind auch Tränen geflossen. Dazu natürliche großartige Besetzung, nicht nur von den Hauptfiguren Sandra Hüller und Hanns Zischler, sondern auch Joachim Meyerhoff als Gustav Gründgens (großartig!) oder Flitzi Haberlandt, David Striesow… ach ach, so schön. Das hat mal wieder gut getan. Und der alte Thomas Mann… eigentlich auch eine traurige Figur irgendwie, ich meine, wann war der wirklich mal glücklich und zufrieden?
Nach dem Kino wollte ich nur noch heim in meine chillige kleine Höhle, hab mir wie so oft zur Zeit griechisches Abendessen gemacht (viele kleine Sachen, viel Öl, viel Knoblauch… so gut!). Und jetzt freue ich mich drauf „Another self“ weiterzuschauen, da hab ich noch 6 Episoden offen juhu.
Morgen wird dann aufgeräumt hier, gepackt und es geht zurück ins Nest zu den Kindern. Und dann heißt es Hosenträger angespannt und zacki zack auf in die erste Schulwoche ole!
Dann fällt mein Wien-Besuch also genau in die erste Schulwoche …. wir haben schon wieder den ersten Monat hinter uns …
ich hab dir eine email geschickt…
Mich beschäftigt vor allem der Wechsel von Pflanzen umtopfen zu Thomas Mann im Kino.
Dazwischen werden Fenster geputzt, Übungen gemacht, Schulmaterialien gesichtet und Weihnachtsgeschenke erwogen. Das ist kein Samstag, das ist ein ziemlich breit aufgestelltes Kulturprogramm.
Und am Ende bleibt trotzdem noch Zeit für griechisches Essen und sechs Folgen Serie.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Kunst:
den Tag nicht zu planen
und trotzdem erstaunlich viel darin unterzubringen. 🦌
wow, wenn ich das so zusammengefasst lese, klingtes wirklich voll. Und ja, keine Planung ist oft die beste Planung….