Es ist jetzt einige Monate her, dass ich mein Langzeitprojekt, an dem ich schon so ewig und so intensiv arbeite, in die Ecke gefetzt und beschlossen habe, dass es nicht läuft. Eine Trennung auf Zeit, das war mir damals schon klar, weil ich immer wieder zu allen Projekten zurückkehre.
Einen kleinen zarten Anlauf hatte ich probiert im Januar, dann habe ich endgültig das Handtuch geworfen. Allein die letzten Zeilen zu lesen, hat mich so genervt, schon gar nicht konnte ich mir vorstellen, daran weiterzuarbeiten. Und es hat weh getan, weil eben schon so viel Zeit, Liebe und Herzblut drin stecken. Weil ein paar Testleserinnen schon den ersten Teil gelesen haben und die Rückmeldungen gut waren. Aber ich hatte mich festgefahren und brauchte Abstand.
Gestern saß ich in der U-Bahn in meine kleine Wohnung und dachte über die Geschichte nach. Über den Punkt, an dem ich feststeckte und ob es nicht doch möglich wäre, da weiterzumachen. Überlegte, wie es weitergehen könnte. Und auf einmal fiel mir etwas ein. Es wirkte leicht und einfach und ich beschloss, es zu versuchen.
Hier in der Wohnung dann hat es mich große Überwindung gekostet. So oft saß ich vor Scrivener, meinem Schreibprogramm und verfluchte all die Kapitel, die keinen Sinn ergeben wollten. Hatte keinen Nerv mehr mich nochmal und nochmal über die Texte herzumachen, die ich schon hatte. Den Anfang schon hundertmal überarbeitet und an Agenturen geschickt. Ohne Erfolg. Verzweifelt alles wieder zugemacht und gehofft, dass eines Tages eine Eingebung kommen würde. Oder doch ein passenderes Hobby. Haha.
Es hat Überwindung gekostet, die Datei zu öffnen und als mein Laptop sich dabei fast aufhängte, wollte ich es schon als Zeichen sehen, dass ich es lassen soll. Aber dann habe ich sie geöffnet und bin zum letzten Punkt der Geschichte gegangen, der noch unrund und offen ist. Und dann habe ich begonnen. Ich habe meine Schreibmusik aufgelegt (Clubbed to Death“ vom Matrix Soundtrack auf Youtube in einer 1-Stunden Dauerschleifenversion. Es ist einfach nur beat und lenkt mich absolut nicht ab. Und auf einmal war ich wieder drin, hab meine Protagonistinnen wieder gesehen und gefühlt. Es war wie nach Hause kommen. Wie sich zurückverlieben.
Heute habe ich mich fast schon aufs Schreiben gefreut. Weil ich wusste, dass es geht. Und ich habe geschrieben. Doppelt so viel wie gestern in einem Tempo, dass ich nicht anderes wahrgenommen habe. Das habe ich schon ewig nicht mehr erlebt. Es tut gut zurückzukommen und ich hoffe, dass ich die Geschichte jetzt rundmachen kann. Dass ich sie endlich abschließen kann. Wie ich dann damit weitermache, das überlege ich mir dann. Ich dachte immer, ich veröffentliche sie einfach im Selbstverlag, weil mir das mit den Agenturen und Verlagen so zuwider ist. Weil mich das Theater so nervt, wenn so viele Texte einfach im Müll landen, weil sie grad nicht die Laune eines Lektors und die richtige Mondphase treffen. Aber wer weiß. Eins nach dem anderen.
Für heute freue ich mich. Man sollte immer an einem Punkt aufhören, wo man auch genau weiß, wo man am nächsten Tag weiterschreiben wird und was dann kommen soll. Dann ist es leichter wieder anzusetzen. Hurra. Ich freue mich grad unendlich darüber. Mein Baby is back!
Wie schön! <3