Tag 12 – Nu pogodi!

Als ich ein Kind war, hat mir meine Großcousinentante irgendwas (ehrlich, es sollte ein Fach in erweiterten Verwandtschaftsgraden geben!) das Elektronika „Nu pogodi“ Spiel aus Russland mitgebracht. Es war die pure Sucht. Stundenlang konnte ich auf diesen winzigen Kasten schauen und anhand der 4 Knöpfe ließ ich den Wolf hin und her hüpfen und die Eier einfangen, die die Hühner aus ihren Ställen purzeln ließen. Das Geräusch habe ich heute noch im Kopf. Sowohl das tick tick tick der rollenden Eier, als auch den krächzenden Signalton, wenn ein Ei runtergefallen und zerbrochen war, ich somit eins von drei Leben verloren hatte.

Es war der pure Stress. Langsam kullerten anfangs die Eier hinunter, genug Zeit, um den Wolf hin und her und den Korb nach oben oder unten zu steuern. Aber bald schon wurden es mehr Eier und nur wer genau hinschaute, was auf dem winzigen Bildschirm schwierig war, erkannte, welches Ei zuerst fallen und zu welchem man SOFORT hinüberhechten musste. Und obwohl man ja nur Knöpfe drückte, keuchte man innerlich genauso wie der Wolf. Regelmässig schaute dann noch der Hase oben aus einer Luke heraus und bimmelte mit einer Glocke, nur um dem Stress noch eins draufzusetzen. Und wenn alle drei Leben gelebt waren, man hunderte, tausende Eier im Korb, aber doch drei auf den Boden verfrachtet hatte, dann ging alles von vorn los. Ohne nachzudenken, ohne zu zögern.

Witzig. Aber eine gute Übung fürs Leben, dieses Spiel. Denn heute habe ich drei Kinder.