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Tag 3 – Ich bin genug

Das größte Hindernis in meinem Leben war immer ein und dasselbe: Der Gedanke, nicht genug zu sein. Aber es war nicht nur ein Gedanke. Es war ein Gefühl. Ein tief verankertes, bis in alle Körperfasern spürbares Gefühl. Egal was ich tat, wen ich traf, was ich mir vornahm – tief in mir drin schrie es immer sofort: Ich bin nicht genug. Ich bin nicht schlau genug, intelligent genug, kreativ genug, lustig genug, schön genug, interessant genug. Nichts an mir war genug. Ein Gefühl, dass vor allem aus der Kindheit heraus in mir und mit mir heranwuchs, als ich mehr Dinge zu hören bekam, die an mir nicht passten. Ich war zu stur. Ich war zu schüchtern. Ich war zu sensibel. Und so fühlte ich mich nie genug in dem, was gewünscht war. Und glaubte immer mehr daran.

Lange versuche ich nun schon zu üben genug zu sein. Bisher bestand die Übung darin, alles mögliche zu lernen, zu üben, zu trainieren. Damit ich genug weiß, genug kann und letztendlich hoffentlich genug bin. Aber damit konnte ich nur scheitern. Denn genug sein können wir nicht lernen. Wir können das Gefühl des Genugseins nur auf eine einzige und einzigartig einfache Art und Weise erfahren, spüren und letztendlich verinnerlichen: Indem wir sehen, dass wir JETZT schon genug sind. Dass alles, was wir tun und das alles, was wir sind, absolut genug ist. Genau so. Genau hier. Genau jetzt. Natürlich dürfen wir uns dann immernoch verändern. Weiter entwickeln. Etwas lernen, ausprobieren, Neues wagen. Aber nicht aus dem Gefühl des Mangels heraus in der Hoffnung, damit mehr zu genügen. Sondern aus dem Gefühl der Fülle heraus und um dieses Gefühl zu verstärken.

Ein Jahr lang habe ich nun besonders hart an mir gearbeitet. Um letztendlich kurz vor Jahresende genau das zu erkennen. Und das zu sehen: Ich. bin. genug. Jetzt heute und hier. Seitdem fühle ich mich wie ein Schmetterling, der sich gerade zum ersten Mal im Leben entfaltet hat. Und fliegt.

Ich fliege jetzt. Hinaus in die Welt. Entdecke Neues, probiere Altes wieder aus, erkunde aus einer neuen Perspektive und genieße die Aussicht, die so eine ganz andere geworden ist. Nicht, weil ich das Fenster gewechselt habe, sondern einfach nur, weil ich die Scheibe geputzt habe. So einfach kann das manchmal sein. Möge es so einfach weitergehen.

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