Tag 99 – Tanz des Lebens

Da plärren die Vögel und die Sonne knallt laut gegen die Scheibe. Der Frühling ringt um jeden Zipfel Aufmerksamkeit und wirbt mit jeder Blume, jedem Grashalm um Anerkennung. Sie steht am Fenster und schaut ihm leise dabei zu. Atmet den Dreck des Winters ein und bläst ihn gegen das ungeputzte Glas. Der Kopf surrt, die Ohren singen schrille Töne und alles und ihre Augen gleichen schweren Gesteinsbrocken. Sie ringt um die Kraft, die sie stehen lässt, um den Mut, diesem Tag zu begegnen. Der Kaffee ist bitter und rast ungebremst in ihr Herz, wirbelt wild um sich wie der Frühling mit den Blüten, nur um der Stille ein Ende zu setzen.
Sie rückt den Kopf ein wenig zurecht und schiebt ihn durch ein frisch gewaschenes Shirt. Die Arme in die Höhe gestreckt und wieder fallen gelassen spürt sie den Nacken, die Schultern. Erweckt alle Ecken ihres Körpers und übergibt sie dem Frühlingswirbel auf der Welt. Springt kopfüber in die den Tag und den Sog des Tuns, der sie mitreißen wird. So wie er das immer tut. Jeden Tag. Jedes Jahr. Wenn der Frühling kommt und bald wieder geht. Wenn der Sommer hereinbricht bis die Blätter im Herbst zerbröseln, der Winter dunkle Stille über das Land jagt und alle warten auf die Blumen, jeden neuen Grashalm da draußen. Die Bäume um sich selbst kreisen und wachsen, so dass man es nach ihrem Tod fein sorgfältig abzählen kann. So wird auch dieser Tag am Ende ein Bett bereithalten, in das sie fallen kann, laut seufzend die wohlige Matratze unter sich spüren und der Dunkelheit der Nacht entgegen träumen wird. Jeder Tag ein Kreis, der den nächsten berührt, in sich verschließt weil die Vergangenheit mitgeschliffen wird in jedes Morgen und beide um uns herum wirbeln während wir im Jetzt umherschweben. Immer hoffend, dass wir den Takt finden und im Rhythmus des Lebens auf Füßen träumend mit diesen beiden dahintanzen.

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