Tag 15 – Ein Traum

Letztens fragte auf Twitter jemand, wann wir das letzte Mal von einem Verstorbenen geträumt haben. Ich konnte mich nicht erinnern. Das muss Jahre her sein, dachte ich. Früher habe ich immer wieder mal von dir geträumt. Aber wann das letzte Mal? Keine Ahnung.

Die letzten Tage habe ich oft Kontakt zu Dir aufgenommen. Mit dir geredet und dich gebeten mir ein Zeichen zu geben, dass du da draußen bist. Hier draußen. Hier draußen neben mir in dem außen, das nicht in mir drin ist.

Letzte Nacht habe ich von dir geträumt. Ganz klar. Ganz deutlich. Ich finde das erstaunlich nach all den vielen mittlerweile 27 Jahren. Ich kann mich nicht erinnern an den Traum. Aber ich weiß, dass ich nachts aufgewacht bin und wusste, dass ich von Dir geträumt hatte. Dass ich lächelte und mich wohlig in meine Decke kuschelte, in der Hoffnung, in den Traum zurückkehren zu können. Wissend, dass das nie funktioniert. Und weg war er, der Traum. Was bleibt ist die Erinnerung an das wohlige Gefühl, das ich in der Nacht hatte. Eine Erinnerung an einen Traum. So, wie Du eine Erinnerung bist. Eine, die ewig weiterlebt in mir.

Heute beutelt mich die Trauer wie seit Monaten nicht mehr. Du fehlst so unendlich. Dein Lachen. Dein Humor. Unsere Verbindung. Die Tränen fließen endlos und ich lasse sie. Die Trauer ist leichter zu bewältigen als eine Depression. Denn ich weiß, wo die Trauer herkommt und kenne den Grund für meine tiefe Traurigkeit – das fehlende Du. Es wärmt mich. Während eine Depression, zumindest die, die ich hatte, mich haltlos und unwissend, frierend im Eck liegen gelassen hat.

Ob der Traum ein Zeichen war? Für mich nicht. Wenn es eines war, dann war es zu unklar, zu unspezifisch. Vielleicht sollte ich nach etwas Konkretem fragen. Einem Vogel. Aber das passt nicht zu dir. Du würdest wahrscheinlich eher die Lichter in der Wohnung zum Flackern bringen. Ein alter Fußball irgendwo, wo keiner hingehört. Irgendetwas auf die Art würde zu dir passen. Ich weiß nicht, warum ich nicht nach einem konkreten Zeichen frage. Vielleicht habe ich Angst, dass du mir eins schickst. Machs trotzdem Sheldon.